Böden in der Region Naoussa

Kalk, Schiefer, Serpentinit

Böden

Grab in einem Weinberg bei Giannakochori ein Loch, und du triffst nicht auf einen Boden, sondern auf mehrere auf einmal. Bodenkundler der Universität Thessaloniki haben die Zone in dreizehn Unterböden aufgeteilt. Hier wechseln sich vulkanisches Gestein, Kalkstein und Flussschutt auf engem Raum ab – mal mit brekziösem Kalk, mal mit rotem Schiefer, mal mit grünlichem Serpentinit aus altem Meeresboden.

Oberflächlich ist die Erde meist braun bis ockerfarben, mittelschwer bis schwer, gut durchlässig und reich an aktivem Kalk. Genau dieser Kalk ist der eigentliche Regisseur im Glas. Er bindet Kalium im Boden, und Kalium ist das Element, mit dem die Rebe ihre eigene Säure neutralisiert. Wo viel Kalk sitzt, bekommt die Wurzel weniger Kalium, und der Wein bleibt spürbar saurer. Xinomavro reagiert darauf besonders empfindlich: Sie gilt als kaliumliebende Sorte. Mangel zeigt sich sofort an den Blättern, lange bevor er im Wein zu schmecken ist.

Unter dieser Deckschicht wird es steinig. Rund um Lefkadia und Kopanos liegen Bänke aus rotem Schiefer neben brekziösem Kalkstein. Sie sind hart genug, dass sich die Wurzel zwischen die Platten zwängen muss. Weiter nördlich, bei Stenimachos und Trilofos, mischt sich Flysch aus altem Meeresboden dazwischen. Das feinkörnige, geschichtete Gestein hält Wasser anders als der Kalk daneben.

In einigen Lagen, vor allem Richtung Polla Nera, taucht stattdessen Serpentinit auf, ein grünlich-graues Gestein aus der Erdkruste des Ozeans, einst hier hochgeschoben – wo es vorherrscht, fehlt der Kalk fast vollständig, wird die Erde sauer, und Eisen und Magnesium übernehmen die Regie statt Kalzium. Weine von dort schmecken erdiger und weniger von der hohen Säure geprägt, die man sonst mit Xinomavro verbindet.

Diese Vielfalt auf so kleinem Gebiet hat Folgen. Winzer in Naoussa bauen seit jeher einzelne Lagen wie Ramnista getrennt aus. Zwei Weinberge, dreihundert Meter voneinander entfernt, können auf völlig verschiedenem Gestein stehen. Sie schmecken entsprechend, ohne dass im Keller etwas anders gemacht wurde.

Grab dich durchSchicht antippen

Braune bis ockerfarbene, mittelschwere Erde mit hohem Anteil an aktivem Kalk. Gut durchlässig, arm an verfügbarem Kalium.

Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln. Der Kalk bindet Kalium, das der Rebe zur Säureregulierung fehlt – ein erster Grund für Xinomavros hohe Säure.

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