
Agiorgitiko allein
Rebsorten
Fast jeder Weinstock in Nemea trägt dieselbe Traube. Seit die Region ihre geschützte Herkunftsbezeichnung bekam, muss jeder Wein mit dem Namen Nemea auf dem Etikett zu hundert Prozent aus Agiorgitiko stammen. Eine andere Sorte ist nicht erlaubt. Ihren Namen verdankt die Rebe einer kleinen Kapelle des heiligen Georg, die einst mitten in den alten Weinbergen stand.
Die Beeren sind klein, dickschalig und wachsen in lockeren Trauben, was ihr in feuchten Jahren hilft, Fäulnis zu widerstehen. Trotzdem gilt sie unter Winzern als heikel. Fast jeder Agiorgitiko-Stock in Griechenland trägt eine Virusinfektion mit sich. Dazu reagiert die Sorte empfindlich auf Kaliummangel und auf den Falschen Mehltau, einen Pilz, der bei feuchtem Wetter ganze Blätter befällt. Wer sie pflanzt, braucht im Weinberg viel Geduld, bevor der Keller sie belohnt.
Im Glas kann dieselbe Rebe erstaunlich verschieden wirken. Jung und mit kurzer Maischezeit vergoren, der Zeit, in der Most und Schalen zusammen gären, ergibt sie einen leichten, fast durchsichtigen Wein, der nach Erdbeere duftet und wenig Tannin hat, den rauen Stoff aus der Schale. Lässt man die Schalen dagegen wochenlang mitgären und reift den Wein danach im Holzfass, entsteht das genaue Gegenteil. Tiefdunkles Granatrot, feste Tannine, dazu Aromen von Pflaume, Sauerkirsche, Veilchen und Tabak. Zwischen diesen beiden Polen liegt die meiste Produktion der Region.
Landesweit ist Agiorgitiko inzwischen die meistgepflanzte rote Sorte Griechenlands, auch wenn die Rebfläche außerhalb der Peloponnes oft einfachere Weine liefert. In alten Aufzeichnungen taucht sie unter den Namen Mavro Nemeas oder Mavroudi Nemeas auf, schwarze Traube von Nemea. Lange blieb sie auf Fassweine für die umliegenden Tavernen beschränkt, ehe sie zur Grundlage eines der ernsthaftesten Rotweine Griechenlands wurde.