
Aspa & Phylloxera
Böden
Grab in einem Weinberg bei Pyrgos ein Loch, und du triffst auf nichts als helle Asche. Kein Lehm, kaum Humus. Stattdessen liegt hier ein loses, fast weißes Gemisch aus vulkanischer Asche, Bimsstein und Sand, das die Menschen Aspa nennen. Es liegt über der ganzen Insel, abgelagert von genau der Eruption, die auch Akrotiri unter sich begrub.
Diese Armut hat der Insel ihre Reben gerettet. Die Reblaus, die Ende des neunzehnten Jahrhunderts fast jeden Weinberg Europas zerstörte, braucht feuchten, festen Lehm, um von Wurzel zu Wurzel zu wandern. In der lockeren, wasserdurchlässigen Aspa findet sie keinen Halt. Deshalb wurden Santorinis Reben nie auf amerikanische Unterlagsreben gepfropft, wie es heute fast überall sonst üblich ist. Ein Teil der Stöcke steht seit über hundert Jahren auf den eigenen Wurzeln.
Diese Wurzeln müssen tief gehen. Weil die Aspa kaum Wasser hält, treibt die Rebe auf der Suche nach Feuchtigkeit mehrere Meter in die Tiefe. Erst im verdichteten vulkanischen Tuff trifft sie auf Gestein, das noch etwas Wasser zurückhält, wenn oben längst alles verdunstet ist. Genau dieser lange Weg macht aus einer Assyrtiko-Rebe ein zähes, genügsames Gewächs.
Am Ende zählt vor allem, wie wenig dabei herauskommt. Alte, ungestützte Stöcke tragen manchmal nur wenige hundert Gramm Trauben im ganzen Jahr, winzige, dickschalige Beeren mit sehr wenig Saft im Verhältnis zur Schale. Aus einem mageren Boden wird so ein konzentrierter Wein, nicht weil die Erde ihm etwas mitgibt, sondern weil sie ihm fast alles verweigert.
Feiner, lockerer Staub aus Asche und Bimskörnern, fast weiß, kaum organisches Material.
Die Wurzel: Hier liegt fast nichts, was eine Wurzel hält. Wind und Sonne trocknen diese Schicht binnen Stunden aus.