Böden in der Region Abruzzen

Argilla & Marna

Böden

Grab in einem Weinberg der Colline Teramane ein Loch, dort wo die Hügel sanft zur Adria hin abfallen. Schon nach wenigen Spatenstichen wird die Erde ockerfarben und feinkörnig: sandiger Lehm, gemischt mit Ton. Locker genug, dass Wasser durchläuft, aber fest genug, um es eine Weile zu halten — das ist der Boden, auf dem hier die meisten Montepulciano-Reben stehen.

Seine Geschichte reicht mehrere Millionen Jahre zurück, bis ins Pliozän. Wo heute Weinberge liegen, lag damals flaches Meer. Dessen Sedimente aus Sand und Schlick bilden bis heute die oberste Schicht der Hügelkette. Weiter im Landesinneren, näher am Gran Sasso, wechselt der Untergrund: Dort liegt härterer Kalkmergel, Marna genannt, der aus der Verwitterung des Kalkgebirges stammt.

Zwei Böden, zwei Charaktere. Auf dem sandigen Lehm reifen die Trauben schneller, die Weine wirken fruchtiger und zugänglicher. Auf dem Kalkmergel dagegen braucht sie länger. Die Rebe muss sich durch festeres Gestein arbeiten, ehe sie ankommt, und genau das gibt den Weinen der Colline Teramane ihre Tiefe und die Fähigkeit, ein Jahrzehnt im Keller zu überstehen.

In den Flusstälern gilt eine dritte Regel. Entlang von Tavo und Vomano lagerten Flüsse über Jahrtausende Sand, Schluff und Kies ab. Das ist lockeres, warmes Material, das sich schnell erwärmt und ebenso schnell wieder auskühlt. Dort wachsen eher die weißen Sorten wie Cococciola und Passerina, deren Frische von genau diesem raschen Temperaturwechsel im Boden lebt.

Wie tief die Wurzel überhaupt kommt, hängt auch vom Anbausystem ab. Unter der alten Pergola abruzzese, dem Blätterdach auf hohen Pfosten, blieben Wurzeln oft flach, weil die Pflanze ihre Kraft ins Blattwerk steckte. Modernere Guyot-Erziehung mit engerem Stand zwingt die Wurzel dagegen tiefer in den Mergel hinein, dorthin, wo auch im trockenen August noch Feuchtigkeit steht.

Grab dich durchSchicht antippen

Dünne dunkle Auflage aus verrottetem Gras und Wurzelresten, auf den Hügeln der Colline Teramane selten dicker als eine Handbreit.

Die Wurzel: Hier liegen die Feinwurzeln. Sie nehmen, was der Regen bringt, und sind bei Trockenheit als Erste erschöpft.

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