
Pergola über Stein
Herstellung
Die Arbeit beginnt hier mit einem Problem. Andere Regionen kennen es kaum: Steilhänge, auf denen keine Maschine fahren kann, und Neigungen über dreißig Prozent, die in weiten Teilen des Tals der Normalfall sind. Arbeiter tragen die Trauben deshalb in der gerla, einem Rückenkorb, zu den nächsten Wegen hinunter. Manche Güter bauten dafür sogar schmale Einschienenbahnen, Monorotaie genannt.
Erzogen wird die Rebe meist an der pergola bassa. Diese niedrige Konstruktion aus Holz oder Beton hängt fünfzig bis hundertvierzig Zentimeter über dem Boden, verteilt das Laub breit über den Trauben und schützt vor Spätfrost, weil warme Luft vom Steinboden darunterzieht. Sie hält auch stand, wenn im Winter Schnee auf ihr liegen bleibt.
Bei der Vergärung trennt sich das Tal in zwei Welten. Petit Rouge und Torrette bleiben deutlich kürzer auf der Schale als Fumin, damit die Frucht erhalten bleibt und der Wein schon im Folgejahr trinkbar ist. Fumin dagegen bleibt viel länger auf den Schalen. So wandern Farbstoff und Tannin vollständig in den Wein, und dieser Wein wird erst nach mehreren Jahren im Keller wirklich zugänglich.
Donnas verlangt vom Picotendro noch mehr Geduld: mindestens vierundzwanzig Monate Reife vor dem Verkauf, davon wenigstens zehn Monate im Holzfass, ganz ähnlich den Regeln für Nebbiolo im benachbarten Piemont. Bei Blanc de Morgex et de La Salle läuft fast alles umgekehrt schnell. Der Prié Blanc wird gepresst, ohne lange auf der Schale zu stehen, und meist noch im selben Winter abgefüllt.
Eine einzige Kellerei im Tal, Cave Mont Blanc bei Morgex, vergärt den Prié Blanc zusätzlich ein zweites Mal in der Flasche, nach klassischer Methode. So entsteht ein Schaumwein mit intensiven mineralischen Noten. Das ist eine Antwort auf einen Mangel. Die Trauben erreichen wegen der Kälte auf über tausend Metern oft nur wenig Alkohol.