
An einem Torrette
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Schenk dir einen Torrette ein und halte das Glas gegen das Licht. Die Farbe ist hell, fast durchscheinend am Rand, rubinrot mit einem Hauch von Violett. Petit Rouge, aus dem er zu mindestens siebzig Prozent besteht, bringt nie die dunkle Farbe eines Cabernet.
Riech zuerst, ohne zu schwenken. Kirsche kommt meist zuerst, dazu ein Hauch von Veilchen und manchmal etwas Grünes, das an frisch geschnittenes Gras erinnert. Erst nach dem Schwenken öffnen sich die leiseren Töne: eine Ahnung von Gewürz und manchmal ein Hauch von Bergkräutern, die von der Höhenlage der Weinberge erzählen.
Im Mund achte auf die Säure. Sie sitzt seitlich an der Zunge und lässt sofort den Speichel fließen, ein Zeichen für die kühlen Nächte, in denen die Trauben gereift sind. Das Tannin bleibt zurückhaltend, weich statt kratzig. Genau dieses Verhältnis aus viel Säure und wenig Tannin macht Petit Rouge so leicht trinkbar, ohne dünn zu wirken.
Stell daneben einen Fumin, und der Unterschied ist sofort da. Die Farbe ist fast schwarz, das Tannin greift spürbar ans Zahnfleisch, und der Abgang zieht sich über zehn, fünfzehn Sekunden statt der fünf oder sechs beim Torrette. Wer beide nacheinander probiert, versteht in einer Minute, warum dieses kleine Tal zwei so gegensätzliche Rotweine gleichzeitig braucht.
Zum Schluss noch ein Blick auf Picotendro aus Donnas, falls er im Glas steht: heller als Fumin, aber straffer als Petit Rouge, mit einem trockenen, fast staubigen Tannin, das erst nach Jahren weich wird. Drei Weine, ein Tal. Drei völlig verschiedene Antworten auf dieselbe steinige Erde.