
Für Tannin gebaut
Gläser
Zwei sehr unterschiedliche Rotweine aus demselben Tal verlangen zwei sehr unterschiedliche Gläser. Wer das ignoriert, verschenkt einen Teil des Aromas: Petit Rouge ist leicht und fruchtig, Fumin ist dicht und tanninreich, und ein einziges Universalglas kann beiden kaum gerecht werden.
Für Petit Rouge und Torrette genügt ein mittelgroßer Kelch mit schlanker Form. Die Öffnung darf eng bleiben, weil der Wein wenig Luft zum Öffnen braucht, und ein zu weites Glas würde die zarte Kirschfrucht verfliegen lassen, bevor sie in der Nase ankommt. Sechzehn Grad reichen als Trinktemperatur völlig aus.
Fumin dagegen braucht Platz. Ein bauchiges Glas mit großer Oberfläche lässt genug Sauerstoff an den Wein, damit sich die harten jungen Tannine lösen und die Frucht aus dem dichten Farbstoff hervortritt. Wird er zu kühl serviert, wirkt er verschlossen und bitter. Achtzehn Grad öffnen ihn spürbar mehr als sechzehn.
Bei Fumin lohnt sich außerdem eine Karaffe, selbst bei jungen Jahrgängen – ungewöhnlich für einen Wein, der oft erst zwei oder drei Jahre alt ist. Eine halbe Stunde Kontakt mit Luft macht aus einem verschlossenen, fast rauchigen Duft ein offenes Bouquet aus Brombeere und Bergkräutern. Danach wirkt selbst ein junger Jahrgang rund statt kantig.
Bei Petite Arvine gilt die entgegengesetzte Regel. Ihr Duft nach Zitrus und salziger Mineralität verträgt kaum Wärme. Also gehört sie kühler ins Glas als die meisten Weißweine, ungefähr neun Grad, serviert in einem schlanken Weißweinglas, das die Frische bündelt statt sie zu verteilen. Wer sie wie einen schweren Chardonnay behandelt, bekommt einen Wein, der plötzlich stumpf schmeckt.