
Petit Rouge & Fumin
Rebsorten
Neunzehn Rebsorten dürfen namentlich auf dem Etikett der Vallée d'Aoste DOC stehen. Doch eine einzige prägt das Tal wie keine andere: Petit Rouge. Die Beere ist klein, die Traube locker, und der Name beschreibt genau das: kleines Rot. Mit gut einem Fünftel der gesamten Rebfläche ist sie die mit Abstand meistgepflanzte Sorte des Tals.
Im Glas zeigt Petit Rouge helle Farbe und viel Frucht: Kirsche, Veilchen, ein Hauch von Gewürz. Tannin und Säure bleiben moderat. Deshalb ist der Wein jung zugänglich und reift selten lange, und genau deshalb braucht das Tal einen Gegenspieler mit mehr Kraft: Fumin.
Fumin wächst fast nirgendwo außerhalb dieses Tals. Seine Beeren sind klein und dickschalig, randvoll mit Farbstoff und Tannin, sodass der Wein daraus tief violett wird, fast undurchsichtig, mit Aromen von Brombeere, schwarzer Johannisbeere und geräuchertem Kraut. Mindestens zwei Jahre Reife verlangt er, bevor sich die harten Tannine glätten. Wer ihn zu jung öffnet, trifft auf eine Wand statt auf einen Wein.
Dazwischen stehen die alten Nachbarn. Vien de Nus, auch Gros Vien genannt, bringt Fülle und wächst vor allem im mittleren Teil des Tals. Cornalin dagegen, eine der seltensten Rebsorten Italiens, liefert Rubinrot mit Waldbeeren, Bergkräutern und auffallend wenig Tannin, fast das Gegenteil von Fumin. In der Unterzone Donnas übernimmt eine ortstypische Nebbiolo-Spielart namens Picotendro dieselbe Rolle wie im benachbarten Piemont: hell, streng, langlebig.
Bei den weißen Sorten dominiert Prié Blanc die höchsten Lagen. Petite Arvine, ursprünglich aus dem Wallis eingewandert, steht mit Zitrus und salziger Mineralität für die eleganten Weißweine des Tals. Und in Chambave duftet der Moscato Bianco nach Aprikose, dort, wo andernorts im Tal längst nur noch Trauben für Rotwein hängen.