Region & Geschichte in der Region Friaul

Pucinum bis Oslavia

Region & Geschichte

Plinius der Ältere lobte einen Wein, den es unter diesem Namen heute nicht mehr gibt. Er hieß Pucinum. Benannt war er nach einer Burg an den Karstquellen des Timavo, nahe der Adriaküste bei Aquileia. Kaiserin Livia soll ihm ihr hohes Alter zugeschrieben haben und behauptet haben, sie trinke keinen anderen Wein. Aquileia selbst war eine der größten Städte des römischen Reichs, gegründet 181 vor Christus als Bollwerk gegen die Alpenvölker, und von hier aus versorgte man die Legionen an Rhein und Donau mit Wein. Welche Traube in Pucinum stand, weiß niemand mehr genau. Der Name blieb. Der Wein nicht.

Jahrhundertelang lag das Land an einer Grenze, die ständig verschoben wurde. Erst regierte das Patriarchat Aquileia, dann Venedig, dann Österreich. Am Isonzo, dem Fluss, der von den Julischen Alpen zur Adria fließt, tobten im Ersten Weltkrieg zwölf Schlachten, mitten durch die Weinberge. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog die neue Staatsgrenze 1947 quer durch Görz und mit ihr durch die Hügel des Collio. Ein Hof hatte plötzlich eine Tür in Italien und eine im kommunistischen Jugoslawien. Manche Familien verloren über Nacht die Hälfte ihres Bodens. Am Gestein darunter hatte sich nichts geändert.

Aus diesem Bruch wuchs eine Entschlossenheit, die man noch heute schmeckt. 1968 bekam Collio als eine der ersten Weinbauzonen Italiens überhaupt den Status DOC. Kurz darauf folgten die Colli Orientali del Friuli im Osten. Vertriebene Winzerfamilien bauten ihre Güter auf italienischer Seite neu auf und brachten ein Wissen mit, das über Generationen gewachsen war. Innerhalb weniger Jahrzehnte stand die Region für etwas, das sie vorher nie gewesen war: für önologische Präzision statt für Grenzkonflikt.

Die jüngste Wende kam aus einem einzigen Dorf. In Oslavia, direkt an der slowenischen Grenze, begann Josko Gravner nach einem verheerenden Hagelschlag 1996 mit seinem verbliebenen Ribolla Gialla zu experimentieren. Er vergor die weißen Trauben wie einen Rotwein, mit Schale und Kernen, erst in spanischen Amphoren, ab 2001 in georgischen Qvevri, tief im Kellerboden vergraben. Das Ergebnis war bernsteinfarben, gerbstoffig, und roch nach getrockneter Aprikose statt nach grünem Apfel. Sein Nachbar Stanko Radikon war schon 1995 mit demselben Gedanken gestartet, blieb aber beim Holzfass statt bei der Amphore. Aus zwei Kellern in einem Dorf wurde eine Bewegung, die heute Orange Wine heißt und von Georgien bis Australien nachgeahmt wird.

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