
Asche & Tuffstein
Böden
Grab in einem Weinberg der Irpinia ein Loch, und du triffst zuerst auf etwas, das dort eigentlich nicht hingehört: lockere graue Asche und kleine poröse Steine, Lapilli genannt, die aussehen wie erstarrter Schaum. Das ist kein Irpinia-Gestein. Das ist Vesuv.
Die größte dieser Aschewolken traf die Gegend schon in der Bronzezeit. Vor fast viertausend Jahren begrub eine gewaltige Eruption des Vesuv, die Archäologen die Pomici di Avellino nennen, ganze Dörfer bis in fünfundzwanzig Kilometer Entfernung unter Asche und Bimsstein. Es war eine Art Pompeji, anderthalb Jahrtausende vor Pompeji selbst. Was damals fiel, liegt heute als Humusschicht über den Weinbergen der Irpinia.
Darunter folgt gelbgrauer Tuffstein, verfestigte vulkanische Asche, porös genug, dass Wasser und Wurzel gleichermaßen hindurchkommen. Das Dorf Tufo, das dem Greco di Tufo seinen Namen gibt, liegt buchstäblich auf diesem Gestein, und unter dem Gestein liegt Schwefel. Von 1866 bis 1984 wurde er dort abgebaut, mit bis zu dreizehnhundert Bergleuten unter Tage, während oben Reben wuchsen. Manche Winzer erklären den mineralischen, leicht rauchigen Ton im Greco damit, dass die Wurzeln bis in schwefelhaltiges Gestein reichen. Bewiesen ist das nicht. Die Nähe der beiden Welten unter derselben Erde ist trotzdem real.
Erst darunter, oft erst nach einem Meter, kommt der eigentliche Untergrund der Irpinia zum Vorschein: grau-brauner Tonmergel, verdichtete Reste eines Meeresbodens, der vor der vulkanischen Asche da war und bis heute Wasser speichert wie ein Schwamm. Wenn der August die obere Ascheschicht austrocknet, findet die Wurzel dort unten noch, was sie braucht.
Diese Abfolge aus lockerer Asche oben, porösem Tuff und dichtem Mergel unten zwingt die Aglianico-Wurzel auf die Suche. Sie wächst tief, manchmal mehrere Meter. Genau das macht den Taurasi so konzentriert: kleine Beeren, viel Schale im Verhältnis zum Saft, viel Tannin und Farbe. Ein Weinberg auf reinem Tonmergel, ohne die Ascheschicht darüber, ergibt einen anderen, weicheren Wein. Den Unterschied schmeckt man, auch wenn beide Parzellen oft nur wenige Hundert Meter auseinanderliegen.
Lockere, dunkle Vulkanasche und kleine poröse Lapilli-Steine, abgelagert von Ausbrüchen des Vesuv über Jahrtausende, zuletzt großflächig durch die Bronzezeit-Eruption der Pomici di Avellino.
Die Wurzel: Die Feinwurzeln sitzen hier, zwischen lockerem Material, das Wasser rasch durchlässt und schnell wieder trocken fällt.