
Trocknen für Sciacchetrà
Herstellung
Wo die Cinque Terre am steilsten sind, gibt es keine Straße zum Weinberg. Nur Treppen aus Stein. Noch in den 1970er Jahren trugen Winzer die Trauben in Körben auf dem Rücken die Hänge hinunter. Manchmal ging es über Hunderte Höhenmeter. Erst kleine Zahnradbahnen, im Ort schlicht monorotaie genannt, machten die Ernte leichter. Sie halten überall dort an, wo eine Kiste gerade voll ist, statt nur oben oder unten zu laden, und heute fahren rund fünfzig davon durch die Terrassen der Cinque Terre.
Für Sciacchetrà werden vor allem Bosco-Trauben nach der Ernte auf Matten oder Gestellen ausgebreitet, wo sie wochenlang natürlich trocknen, bis ihr Zuckergehalt einer Alkoholstärke von mindestens neunzehn Grad entspricht. Erst dann werden sie gepresst und vergoren. Verkauft werden darf der fertige Wein frühestens am ersten Oktober des Folgejahres, eine Riserva erst nach drei Jahren Reifung.
Beim Ormeasco im äußersten Westen läuft die Herstellung genau andersherum. Für den Sciac-trà, dessen Name wörtlich zerdrücken und abziehen bedeutet, lässt man die roten Trauben nur wenige Stunden mit der Schale stehen. Dann zieht man den hell gefärbten Saft ab und vergärt ihn ohne Schalen weiter. So entsteht ein korallfarbener Rosé mit dem Duft roter Blüten, ganz anders als der dichtere, länger mazerierte Rotwein aus denselben Beeren.
Im Keller bleibt für die trockenen Weißweine wenig Spielraum. Die Regeln der Cinque Terre DOC schreiben vor, welche Trauben in welchem Anteil in die Flasche dürfen. Mindestens vierzig Prozent müssen Bosco sein, höchstens vierzig Prozent Albarola und Vermentino zusammen. Für Pigato und Vermentino aus der Riviera Ligure di Ponente gilt die umgekehrte Logik — fünfundneunzig Prozent müssen von der namensgebenden Traube stammen, kaum Raum für Verschnitt.
All das bleibt Handarbeit in einem Ausmaß, das anderswo in Italien kaum noch vorkommt. Große Erntemaschinen passen nicht auf einen Meter breite Terrassen. Viele Weinberge lassen sich überhaupt nur zu Fuß oder mit der Bahn erreichen. Wer hier Wein macht, verdient an jeder Flasche vor allem eines: die Zeit, die die Arbeit gekostet hat.