Gläser in der Region Ligurien

Schmal und salzig

Gläser

Pigato und Vermentino leben von zwei Dingen: viel Duft und eine auffällig salzige Säure. Manche Verkoster vergleichen sie fast mit Meerwasser, und ein zu weites Glas verteilt genau das, bevor es die Nase überhaupt erreicht. Besser passt ein schlankes, leicht tulpenförmiges Weißweinglas mit enger werdender Öffnung. Es ist groß genug, um Kräuter und Zitrus freizusetzen, eng genug, um sie oben zu bündeln, statt sie im Raum zu verlieren.

Beim roten Rossese täuscht die helle Farbe. Wer ihn deshalb in ein großes Glas füllt, wie man es für schwere Rotweine nimmt, verliert etwas Entscheidendes: die feine Note von weißem Pfeffer geht unter, die diesen Wein von jedem anderen ligurischen Rotwein unterscheidet. Ein mittelgroßer, schlanker Kelch reicht völlig — kaum größer als das Weißweinglas daneben, nur mit etwas mehr Bauch für die zarte Fruchtaromatik.

Kühler, als die meisten denken: Das ist die Faustregel für Pigato und Vermentino. Acht bis zehn Grad sind richtig, direkt aus dem Kühlschrank statt nur kurz angekühlt, sonst verschwindet die salzige Säure hinter dem Alkohol. Rossese dagegen verträgt zwölf bis vierzehn Grad, spürbar wärmer als der Weißwein daneben. Immer noch kühl.

Ein eigenes, kleines Glas bekommt nur der Sciacchetrà, der Süßwein der Cinque Terre — gerade einmal fünfzig bis sechzig Milliliter Inhalt. Seine Dichte an Zucker und Aroma braucht keinen großen Bauch, sondern nur einen Schluck auf einmal. Getrunken wird er ohnehin meist zu einem Keks oder einem Stück Trockenobst, nicht literweise wie ein Alltagswein.

Was alle diese Gläser eint, ist die enge Öffnung. Ligurische Weine leben von Feinheit, nicht von Wucht. Ein zu offenes Glas lässt genau das entweichen, was den Wein hier von jedem anderen italienischen unterscheidet.

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