Böden in der Region Lombardei

Granit & Trockenmauern

Böden

Grab in einer Terrasse des Veltlins ein Loch, und du kommst nicht weit. Nach einer Handbreit Erde stößt die Schaufel auf hellen, körnigen Fels: verwittertes Gneis- und Granitgestein, das hier seit Jahrtausenden zu grobem Sand zerfällt.

Dieser Sand ist fast nährstofffrei. Wasser läuft rasch hindurch, kaum etwas bleibt hängen. Die Rebwurzel muss sich deshalb tief in die Felsspalten hineinarbeiten, um überhaupt etwas zu finden. Genau diese Mühe konzentriert am Ende die Aromen in der Beere, denn eine gestresste Rebe trägt weniger, aber dichtere Trauben.

Damit auf diesem steilen, felsigen Hang überhaupt Reben stehen können, haben Generationen von Winzern Terrassen gebaut und mit Trockenmauern abgestützt — ohne Mörtel, Stein auf Stein. Über 2.500 Kilometer solcher Mauern ziehen sich heute durch das Tal. Das reicht rechnerisch einmal quer durch Italien und wieder zurück. Sie tun mehr als nur den Hang zu halten: Tagsüber speichern die Steine Wärme und geben sie nachts an die Wurzeln ab.

Am Iseosee liegt darunter eine völlig andere Geschichte. Dort schob ein Gletscher vor zwölftausend Jahren Geröll, Kies und Ton zu einem weiten Ringwall aus Moränenhügeln zusammen, bunt gemischt und ohne die geordneten Schichten eines normalen Bodens. In Franciacorta trägt fast jeder Weinberg diese Mischung aus Kalkstein, Sand und rundem Kies mit sich.

Zwei Böden also, zwei völlig verschiedene Herkünfte. Der eine im Veltlin ist Fels, der gerade erst zu Sand zerbricht. Der andere am Iseosee ist längst zerbrochen und von einem Gletscher quer durchs Land geschoben worden. Beide zwingen die Rebe, sich anzustrengen, nur auf sehr unterschiedliche Weise.

Grab dich durchSchicht antippen

Dünne dunkle Auflage aus verrottetem Laub, Wurzelresten und dem wenigen Erdreich, das die Terrassenmauern zurückhalten.

Die Wurzel: Hier liegen die Feinwurzeln. Sie holen, was der Regen gerade bringt — auf der Terrasse ist das wenig.

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