Klima in der Region Marken

Kamm aus Tälern

Klima

Auf der Landkarte sehen die Marken aus wie ein Kamm. Vom Apennin laufen mehr als ein Dutzend Täler fast parallel zur Adria hinunter, jedes mit einem eigenen kurzen Fluss, der geradewegs zur Küste stürzt, statt sich zu winden. Das prägt das Klima stärker, als die südliche Lage vermuten lässt. Jedes Tal hat sein eigenes Wetter.

An der Küste ist es mild. Der Monte Conero, ein Kalksteinfelsen direkt am Meer, speichert tagsüber die Wärme in seinem hellen Gestein und gibt sie nachts wieder an die Reben ab. Dazu kommt eine ständige Brise. Sie hält feuchte Luft von den dicht gepackten Montepulciano-Trauben fern, und dichte Trauben faulen schnell, wenn sie nicht abtrocknen können.

Landeinwärts wird es strenger. Matelica liegt in einem geschlossenen Tal, abgeriegelt vom Monte San Vicino, wo das Meer nur auf der Landkarte nah ist. Tagsüber klettert das Thermometer im Sommer über dreißig Grad. Nachts fällt es oft um zehn Grad oder mehr, manchmal innerhalb weniger Stunden, und diese Schwankung bremst die Reife und hält die Säure im Verdicchio fest. Die Lese beginnt hier später.

Noch höher liegt Serrapetrona, zwischen vierhundertfünfzig und sechshundert Metern, in einem Klima, das man montan-mediterran nennt: mediterran in der Grundwärme, alpin in den Temperatursprüngen. Genau diese Sprünge braucht die Vernaccia Nera. Sie baut Aromastoffe auf, ohne dass der Zucker gleich mitwächst. Nach der Lese im Oktober trocknen ausgewählte Trauben dort bis Mitte Januar weiter, in kühler, trockener Bergluft, die Schimmel keine Chance lässt.

So ernten Winzer in derselben Region an drei verschiedenen Tagen desselben Herbstes: früh an der warmen Küste, mittel in den Hügeln um Jesi, spät im kühlen Bergland. Dieselbe Sonne, drei Zeitpläne.

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