
Schale, Botte, Riserva
Herstellung
Bei Tintilia entscheidet die Zeit auf der Schale über fast alles. Presst man die Trauben sofort ab, bleibt der Wein hell, fast wie ein Rosato, denn die Farbe steckt in der Haut, nicht im Saft. Deshalb bleiben die Schalen zwei bis drei Wochen im Bottich, länger als bei vielen anderen Sorten, weil die dicke Beerenhaut sonst kaum genug hergibt.
Danach entscheidet sich, wie streng ein Wein werden darf. Die DOC verlangt mindestens fünfundneunzig Prozent Tintilia im Wein, der Rest darf aus anderen roten Sorten der Provinzen Campobasso und Isernia stammen. Für einen einfachen Tintilia del Molise reichen elfeinhalb Prozent Alkohol. Für die Riserva schreibt das Regelwerk mindestens dreizehn Prozent vor, dazu zwei Jahre Reifung ab dem ersten November des Erntejahres. Wer 2024 gelesen hat, darf seine Riserva frühestens 2026 verkaufen.
Beim Holz gehen die Meinungen im Molise weit auseinander. Manche Betriebe reifen Tintilia in großen alten Fässern, botti genannt, die kaum Aroma abgeben und den Wein nur langsam mit Sauerstoff in Kontakt bringen. Andere setzen auf kleine Barriques, die Vanille- und Röstnoten beisteuern. Bei einer Sorte, deren Reiz in der unverfälschten dunklen Frucht liegt, ist das eine Entscheidung mit Folgen.
Der Biferno Rosso folgt festen Mischregeln: siebzig bis achtzig Prozent Montepulciano, zehn bis zwanzig Prozent Aglianico. Der Rest darf aus anderen zugelassenen Sorten stammen. Der Pentro di Isernia dagegen wurde 2014 umgeschrieben. Seither mischt er fünfundsiebzig bis achtzig Prozent Montepulciano mit zwanzig bis fünfundzwanzig Prozent Tintilia — ein Zeichen dafür, wie stark die einheimische Sorte wieder mitspielt.
Bei allen Rotweinen der Region gilt zudem eine Ertragsgrenze: Aus hundert Kilo Trauben dürfen höchstens siebzig Liter Wein mit Herkunftsbezeichnung entstehen. Der Rest wandert in einfachere Erzeugnisse. Diese Grenze klingt bürokratisch. Sie sorgt aber dafür, dass nicht jede Rekordernte automatisch als Qualitätswein verkauft werden kann.