
Griechen bis Woodhouse
Region & Geschichte
Griechische Siedler brachten den Weinbau nach Sizilien, lange bevor Rom überhaupt existierte. Sie kamen im achten Jahrhundert vor Christus, gründeten Syrakus und Taormina, und sie pflanzten ihre Reben so, wie sie es aus der Heimat kannten. Niedrig, frei stehend, ohne Pfahl und ohne Draht. Diese Form heißt Alberello, kleiner Baum auf Italienisch, und sie hält sich bis heute. Auf Pantelleria zum Beispiel erklärte die UNESCO sie 2014 sogar zum Weltkulturerbe.
Am Ätna endete diese lange Ruhe abrupt. Ende des neunzehnten Jahrhunderts bedeckten Reben rund fünfzigtausend Hektar der Vulkanhänge, mehr Fläche, als die gesamte Toskana heute unter Reben hat. Dann kam die Reblaus, ein Schädling, der die Wurzeln europäischer Reben zerfrisst, und die Anbaufläche brach zusammen. Wer heute zwischen den Weinbergen des Ätna geht, steht oft vor alten, wurzelechten Stöcken, denn der sandige Vulkanboden hielt den Schädling stellenweise fern und rettete einige Anlagen vor der sonst üblichen amerikanischen Unterlagsrebe. 2017 zählte die Etna DOC noch 908 Hektar. Von fünfzigtausend auf unter tausend: Das ist die Geschichte dieses Berges in einer einzigen Zahl.
Ganz anders verlief es im Westen der Insel. 1773 entdeckte der englische Kaufmann John Woodhouse in der Stadt Marsala einen kräftigen, mit Alkohol haltbar gemachten Wein. Er erkannte sein Potenzial für den langen Seeweg nach England — nach dem Vorbild von Portwein und Sherry. Innerhalb weniger Jahrzehnte eroberte Marsala britische Tische, und 1969 wurde er per Regierungsdekret zur ersten kontrollierten Ursprungsbezeichnung Siziliens, eine der frühesten Italiens überhaupt.
Im Südosten lief die Uhr wieder anders. Cerasuolo di Vittoria wird schon in Texten aus dem siebzehnten Jahrhundert erwähnt. Amtlichen Status bekam er trotzdem erst Jahrhunderte später. Erst 1973 kam die DOC, 2005 dann die DOCG — und damit ist er bis heute die einzige Herkunftsbezeichnung dieser höchsten Stufe auf ganz Sizilien.
Die jüngste Wende kam 2011, als aus der bisherigen Sicilia IGT die Sicilia DOC wurde. Winzer verpflichteten sich, auf einheimische Sorten wie Nero d'Avola, Frappato und Grillo zu setzen, statt weiter vor allem internationale Reben auszubauen. Mit diesen Reben wollte die Insel in den Neunzigerjahren ihren Ruf als billiger Massenweinproduzent loswerden. Das war die Entscheidung. Sie machte aus Sizilien eine Insel, die heute mehr eigene Weinstile zeigt als fast jede andere Region Italiens.