
Vulkan, Wind, Meer
Klima
Ein Wind aus der Sahara bestimmt sizilianische Sommer mehr als jede Wettervorhersage. Der Scirocco weht heiß über das Mittelmeer. Er treibt die Temperaturen im Süden gelegentlich über vierzig Grad und erreicht dabei Böen von hundert Kilometern in der Stunde. Wo er ungebremst auf die Reben trifft, dörrt er sie förmlich aus.
Der Ätna widerspricht dem eigenen Ruf der Insel als heiße Endstation Europas. Die Weinberge dort liegen zwischen vierhundertfünfzig und gut tausend Metern, und mit jedem Höhenmeter sinkt die Temperatur spürbar. Nachts fällt sie an den oberen Lagen oft deutlich unter zwanzig Grad. Unten an der Küste steht dagegen noch Sommerhitze. Genau dieser Unterschied zwischen Tag und Nacht hält in der Traube die Säure und lässt einen Etna Rosso am Ende so hell und straff schmecken, ganz anders, als man es von Sizilien erwarten würde.
Dazu kommt schlicht viel Licht. Im Juli scheint die Sonne über Sizilien im Schnitt mehr als elf Stunden am Tag, einer der höchsten Werte in ganz Europa. Reben reifen unter diesen Bedingungen schnell und zuverlässig. Das führt zu den frühesten Lesen Italiens: An der Küste beginnt sie oft schon im August, während am Ätna, geschützt durch die Höhe, erst im Oktober geerntet wird.
Regen fällt auf der Insel nicht überall gleich. Der Norden liegt im Windschatten der Berge und bekommt spürbar mehr Niederschlag als der trockene Süden. Grund ist auch hier der Ätna. Sein Schmelzwasser sorgt zusätzlich für Feuchtigkeit, die anderswo auf der Insel fehlt, und deshalb ist die Vegetation an seinen Hängen auffällig grüner als im Rest Siziliens.
Auf Pantelleria, der vulkanischen Insel zwischen Sizilien und Tunesien, wird der Wind selbst zur Anbaumethode. Ein Stock übersteht hier keine hohen Drähte. Deshalb wachsen die Zibibbo-Reben im Alberello dicht über dem Boden, geduckt in kleine Mulden aus Stein — ein Schutz, den Menschen vor Jahrhunderten erfanden und den die Pflanzen bis heute brauchen.