
Lava, Asche, Bims
Böden
Grab am Ätna ein Loch in einen Weinberg, und du triffst zuerst auf Asche. Sie ist dunkel, fein, fast wie Pfeffer, und stammt von einem der vielen Ausbrüche, die den Berg in den letzten Jahrhunderten immer wieder umgeformt haben. Kalk oder Kreide, wie man sie aus vielen anderen Weinregionen kennt, findest du hier nicht. Der Ätna kennt kaum Kalkstein.
Jede Schicht darunter erzählt von einem eigenen Ausbruch. Lava, die vor hundert Jahren floss, unterscheidet sich in Struktur und Mineralgehalt von Lava, die vor tausend Jahren erstarrte. Dazwischen liegen Bänder aus Lapilli — kleine, poröse Gesteinsbrocken, die man hier ripiddu nennt. Diese Mischung aus Alter und Material macht aus benachbarten Weinbergen, den sogenannten Contraden, oft völlig verschiedene Weine.
Das Wasser läuft durch diesen Boden, als gäbe es keinen Widerstand. Die Struktur aus Sand, Asche und Bimsstein lässt Regen fast sofort versickern, und die Rebe muss ihre Wurzeln deshalb tief in den Fels schicken, um überhaupt an Feuchtigkeit zu kommen — manche reichen mehrere Meter hinunter, vorbei an drei oder vier verschiedenen Lavaschichten. Diese Arbeit kostet die Pflanze Kraft. Sie belohnt sie dafür mit einer Konzentration, die man später im Glas schmeckt.
Was der Boden dagegen reichlich hat, sind Eisen, Kalium und Magnesium — Mineralien, die das Gestein beim Verwittern freisetzt. Genau dieser Sand hat außerdem eine kuriose Nebenwirkung: Er hielt die Reblaus stellenweise fern. Sie ist jener wurzelfressende Schädling, der Europas Weinberge Ende des neunzehnten Jahrhunderts fast auslöschte. Alte Stöcke stehen deshalb bis heute. Sie wachsen am Ätna auf ihren eigenen Wurzeln, gepflanzt ohne die sonst übliche amerikanische Unterlage.
Trotzdem gilt auch hier: Eine Wurzel trinkt kein Gestein. Was Kenner als vulkanische Mineralik beschreiben — dieser rauchig-salzige Zug, den viele Etna-Weine tragen —, kommt nicht aus gelösten Steinpartikeln im Glas. Der Boden wirkt indirekt, über Wärmespeicherung, Wasserhaushalt und die Tiefe, in die er die Wurzel zwingt. Am Ätna ist dieser Umweg nur deshalb so auffällig, weil kaum ein Weinberg Europas auf derart jungem, unruhigem Gestein steht. Der Nerello Mascalese, der hier wächst, trägt diese Herkunft besonders unverkennbar ins Glas.
Dünne, dunkle Auflage aus vulkanischer Asche und verrottetem Laub. Nach starkem Regen wäscht sie leicht aus.
Die Wurzel: Hier liegen nur die Feinwurzeln — bei Trockenheit sind sie die ersten, die aufgeben.