
Kretzer, Dunkel, Riserva
Herstellung
Schon im Weinberg beginnt bei Vernatsch eine alte Gewohnheit. Zwischen den Stöcken stehen meist ein paar Reihen Lagrein, um die fünf Prozent. Bis zu fünfzehn sind erlaubt, und beide Sorten werden gemeinsam gelesen und vergoren. So entsteht der St. Magdalener, benannt nach dem gleichnamigen Hügel über Bozen, dichter und wärmer als reiner Vernatsch. Die Maische steht dabei nur kurz, denn die dünne Vernatsch-Schale gibt ihre Farbe schnell her. Früher reichten dafür große alte Holzfässer, botti, für den ganzen Ausbau.
Lagrein dagegen wird auf zwei Wegen zu Wein. Presst man die Trauben rasch, bevor die Schale viel Farbe abgeben kann, entsteht der Kretzer, benannt nach der Kretze, einem Weidenkorb, der früher Schalen und Stiele beim Pressen zurückhielt. Heraus kommt ein blasser, lachsfarbener Roséwein mit lebendiger Säure. Lässt man die Maische dagegen Wochen stehen, wird daraus der dunkle Lagrein, tief in der Farbe und reich an Tannin. Als Riserva reift er üblicherweise rund zwei Jahre, ein gutes Stück davon im kleinen Barrique.
Gewürztraminer verlangt im Keller vor allem Zurückhaltung. Seine Aromen sind flüchtig und hitzeempfindlich, deshalb läuft die Gärung kühl im Stahltank, mit wenig Schalenkontakt und praktisch ohne Holz. Jedes Barrique würde den Rosen- und Litschiduft unter Vanille begraben, bevor er im Glas ankommt.
Im Weinberg selbst stehen zwei Erziehungsformen nebeneinander. Die alte Südtiroler Pergl zieht die Rebe zwei Meter hoch zu einem flachen Blätterdach, unter dem man von unten arbeitet. Das ist ideal für steile Hänge, aber arbeitsintensiv und kaum zu mechanisieren. Etwa die Hälfte der Rebfläche trägt inzwischen stattdessen Guyot, die drahtgezogene Spaliererziehung, die mehr Sonne an die Trauben lässt und konzentriertere Weine ermöglicht.
Im Eisacktal, an den steilen Terrassen im Norden, wird meist spät gelesen und ebenfalls kühl im Stahltank vergoren, damit Sylvaner und Kerner ihre helle, mineralische Frische behalten. Zwei Traditionen laufen in Südtirol also nebeneinander her, die rote aus dem warmen Talkessel und die weiße aus den kühlen Terrassen, und keine schreibt der anderen ihren Stil vor.