Verkosten in der Region Südtirol

An einem Lagrein

Verkosten

Halte ein Glas Lagrein schräg gegen etwas Weißes. Am Rand bleibt kaum Licht durch, so dunkel und violett ist die Farbe. Das ist ein Kontrast zum hellen, fast durchscheinenden Rubinrot des Vernatsch, den man daneben sofort erkennt.

Riech zweimal hin, einmal im ruhigen Glas und einmal nach dem Schwenken. Im ruhigen Glas kommen dunkle Waldbeeren nach oben, Brombeere vor allem, manchmal ein Hauch Sauerkirsche. Nach dem Schwenken folgt der Rest: Veilchen, ein Anflug von dunkler Schokolade, gelegentlich Tabak — Aromen, die sich erst durch die Bewegung im Glas lösen.

Im Mund achte auf zwei Dinge getrennt. Das Tannin spürst du als festen, fast packenden Belag am Zahnfleisch, kräftiger als bei fast jeder anderen italienischen Rotweinsorte in dieser Preisklasse. Die Säure dagegen liegt seitlich an der Zunge. Sie hält den dichten Wein trotz seiner Kraft in Balance, sodass er nie plump wirkt, selbst wenn Alkohol und Extrakt hoch sind.

Am Ende zähl den Abgang. Bei einem einfachen Lagrein sind es fünf, sechs Sekunden, bei einer gut gereiften Riserva aus altem Holz oft zwanzig und mehr. Länge lässt sich im Keller nicht nachträglich hinzufügen — sie steckt entweder in der Traube oder gar nicht.

Kostest du danach einen Vernatsch, wirkt er fast zerbrechlich. Genau das ist der Punkt: Erst im Vergleich zeigt sich, wie unterschiedlich zwei Rotweine aus demselben Land schmecken können, obwohl beide unter derselben Sonne im selben Talkessel reifen.

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