Gläser in der Region Südtirol

Glas nach Sorte

Gläser

Drei Sorten prägen Südtirol, und keine passt ins Glas der anderen.

Vernatsch ist hell, zart und gerbstoffarm — Gerbstoff ist das raue Gefühl am Zahnfleisch, das ein kräftiger Rotwein hinterlässt, und davon hat diese Sorte kaum etwas. Ein kleiner, schlanker Kelch reicht völlig, gekühlt auf zwölf bis vierzehn Grad serviert, sonst verliert der Wein in Minuten seine Frische. Ein großes, bauchiges Glas würde ihn nur aufwärmen und seine zarte Bittermandelnote verwässern, bevor sie überhaupt ankommt.

Bei Lagrein ist fast alles umgekehrt. Er braucht ein weites, hochbauchiges Glas, das dem dichten Wein Platz zum Atmen gibt. Dazu kommt eine wärmere Trinktemperatur von sechzehn bis achtzehn Grad, damit sich die festen Tannine etwas abrunden. Ein gereifter Lagrein Riserva profitiert zusätzlich von einer halben Stunde Karaffe, weil seine Aromen nach Jahren im Barrique zunächst verschlossen wirken.

Gewürztraminer verlangt wieder ein anderes Maß. Sein Rosen- und Litschiduft ist intensiv. Ein zu weites Glas erschlägt ihn regelrecht. Ein schmalerer, tulpenförmiger Kelch bündelt den Duft, ohne ihn plump wirken zu lassen. Serviert wird er kühl, um die acht Grad, denn bei Zimmertemperatur wirkt seine geringe Säure schnell schwer, und der hohe Alkohol drängt sich vor die Frucht.

Wer alle drei aus demselben Glas trinkt, schmeckt nur noch eine austauschbare Version von Südtirol. Die drei Formen sind der Grund, warum ein guter Südtiroler Tisch selten mit nur einem Kelch auskommt.

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