Region & Geschichte in der Region Trentino

Fürstbistum bis Ferrari

Region & Geschichte

Schon die Römer pflanzten hier Reben. Das Etschtal ist an dieser Stelle nur wenige hundert Meter breit, eine schmale Rinne zwischen den Dolomiten und der Brenta-Gruppe. Durch sie zogen seit der Antike Händler, Heere und Pilger, und mit ihnen wanderte der Weinbau flussaufwärts bis in die Seitentäler. Für die Menschen im Gebirge war Wein kein Luxus. Er war eine der wenigen Feldfrüchte, die auf steilen Hängen überhaupt etwas einbrachten.

Politisch war das Land elfhundert Jahre lang ein Sonderfall. Der Bischof von Trient regierte ein eigenes Gebiet innerhalb des Heiligen Römischen Reichs, mit eigenen Gesetzen und eigener Steuerhoheit. Die Habsburger als Landesherren redeten zwar mit, doch echte Macht blieb beim Fürstbischof. Das änderte sich 1803: Das Fürstbistum wurde aufgelöst, sein Gebiet fiel an Österreich und wurde Teil von Tirol.

Was danach kam, veränderte den Weinbau mehr als jedes Jahrhundert davor. 1874 gründete das Tiroler Landesparlament in Innsbruck die Landwirtschaftliche Lehranstalt San Michele all'Adige, mit dem Önologen Edmund Mach als erstem Direktor. Zum ersten Mal lernten Winzer hier systematisch, warum ein Wein gelingt oder misslingt, nicht aus Erfahrung allein, sondern aus Analyse. Die Schule besteht bis heute, als Fondazione Edmund Mach, und bildet noch immer Kellermeister aus.

Nur wenige Jahrzehnte später kam die zweite Wende. Sie begann mit einer einzigen Idee. 1902 fing Giulio Ferrari in der Stadt Trient an, Schaumwein nach dem Vorbild der Champagne herzustellen, mit Chardonnay, einer Rebsorte, die vorher kaum jemand im Tal kannte, und mit jahrelanger Reife auf der Hefe. Sein Handwerk trägt heute den Namen Trentodoc. Noch immer reift jede Flasche nach seinem Prinzip: lange und in Ruhe, im Berg statt im Keller.

1919 wurde Trentino italienisch, besiegelt im Vertrag von Saint-Germain nach dem Ersten Weltkrieg. Fünfzig Jahre später, 1971, bekamen der Teroldego Rotaliano und die breitere Trentino DOC ihren amtlichen Schutz. 1993 wurde aus Ferraris Idee eine eigene Herkunftsbezeichnung: Trento DOC, ausschließlich für Schaumwein nach klassischer Flaschengärung, nie für stille Weine. Von der römischen Rebe bis zur geschützten Flasche war es ein langer Weg. Es war immer derselbe.

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