
Teroldego & Marzemino
Rebsorten
Eine Sorte beherrscht das Tal wie keine andere. Teroldego wächst fast ausschließlich auf einer einzigen Ebene, dem Campo Rotaliano bei Mezzolombardo, einem Kiesfächer zwischen Etsch und Noce. Die Beeren sind klein und dickschalig, die Farbe im Glas fast undurchsichtig dunkel. Verwechseln lässt sich das kaum. Woher der Name kommt, ist bis heute umstritten. Manche leiten ihn vom Tiroler Gold ab. Andere verweisen auf die Ortschaft Teroldeghe bei Mezzolombardo, die schon 1480 in einem Kaufvertrag über Teroldego-Wein genannt wird.
Erzogen wird die Rebe traditionell an der Pergola Trentina, einem Laubdach über Kopfhöhe, unter dem die Trauben hängen wie in einer Laube. Das schützt vor der feuchten, kühlen Luft, die nachts über dem flachen Talboden liegt. Fäulnis hat so kaum eine Chance. Der Aufwand ist hoch, jede Reihe wird von Hand geschnitten und gebunden. Deshalb wechseln manche Betriebe heute zu Drahtrahmen-Erziehung wie Guyot. Auf dem Campo Rotaliano aber, wo Teroldego seinen Namen trägt, bleibt die Pergola die Regel.
Ganz anders tritt der zweite große Rote der Region auf. Marzemino ist heller, weicher, mit feinem Tannin und einem Duft nach Veilchen und schwarzer Johannisbeere. Sein Zuhause ist die Vallagarina südlich von Trient, vor allem die Hügel um Isera. Dort bringt die Unterzone „d'Isera“ Weine mit der Stufe Trentino Superiore hervor. Berühmt wurde er durch eine einzige Opernszene: In Mozarts Don Giovanni ruft die Titelfigur beim letzten Festmahl nach „Eccellente marzimino!“, in der historischen Schreibweise des Librettos von Lorenzo da Ponte.
Bei den Weißen gibt es nur eine ursprüngliche Sorte: Nosiola. Der Name kommt von nocciola, Haselnuss, und genau danach riecht ein trockener Nosiola aus der Valle dei Laghi rund um den Ort Toblino. Dort, in einem engen Seitental mit eigenem Kleinklima, wachsen ihre Trauben an steinigen Hängen über kleinen Seen. Dieselbe Beere liefert getrocknet den Grundstoff für den Vino Santo, den süßen Passito der Region.
Zwei weitere Sorten prägen das Trentino, ohne dass viele Trinker es wissen. Chardonnay, Pinot Nero, Pinot Bianco und Pinot Meunier wachsen an kühlen Hängen eigens für den Trentodoc, den Schaumwein nach klassischer Flaschengärung. Hoch oben im Val di Cembra dagegen, auf Terrassen aus rotem Porphyr bis knapp neunhundert Meter, gedeiht Müller-Thurgau, eine Sorte, die woanders in Italien kaum jemand ernst nimmt. Hier, mit dem großen Unterschied zwischen Tag- und Nachttemperatur, ergibt sie duftige, fast alpine Weißweine.