
Etrusker, Mönche, DOC
Region & Geschichte
Wo heute Orvieto auf seinem Tuffsteinfelsen sitzt, gründeten die Etrusker im zehnten Jahrhundert vor Christus die Stadt Velzna. Sie erkannten sofort, was der vulkanische Boden für den Weinbau bedeutete. Die Griechen nannten den Ort später Oinarea, wo der Wein fließt. Kein Zufall. Unter der Stadt gruben sie Keller in drei Ebenen in den weichen Tuff: oben wurde gepresst, durch Tonröhren lief der Most eine Etage tiefer zur Gärung, unten reifte der fertige Wein bei gleichbleibender Temperatur.
Später tranken die Päpste, die oft monatelang in Orvieto residierten, denselben Wein und bezahlten damit sogar Kunst. Luca Signorelli sicherte sich im Vertrag von 1500 für die Fresken der Cappella di San Brizio im Dom neben Geld und Getreide so viel Orvieto-Wein, wie er wollte. Schon 1496 hatte man Pinturicchio mit Getreide und dem nötigen Wein bezahlt. Über Jahrhunderte war Orvieto süßlich, ein sogenannter abboccato. Erst im neunzehnten Jahrhundert kippte der Geschmack Richtung trocken, und 1931 wurde das Anbaugebiet amtlich abgegrenzt.
Ganz anders begann die Geschichte des Sagrantino im Osten, um Montefalco. Die Rebe kam vermutlich im vierzehnten Jahrhundert aus Kleinasien, mitgebracht von Franziskanermönchen. Ihr Name klingt wie das Wort „Sakrament“, und das ist kein Zufall: Bauernfamilien pressten aus ein paar Stöcken im eigenen Garten einen süßen Passito für Weihnachten und Ostern. Die älteste Spur stammt von 1549. 1575 stand bereits ein Weinberg mit vier Sagrantino-Pergolen im Grundbuch.
Im Westen, in Torgiano, begann die moderne Geschichte erst nach dem Krieg. Giorgio Lungarotti baute den Familienbetrieb ab den späten Fünfzigern um und füllte 1962 seinen ersten Rubesco ab. 1968 wurde Torgiano zur ersten DOC Umbriens überhaupt. 1990 kam der Torgiano Rosso Riserva als erste DOCG der Region dazu, Jahre bevor Montefalco mitreden durfte.
Der trockene Sagrantino existierte da nämlich noch kaum. Erst 1972 vinifizierte eine Kellerei in Foligno ihn zum ersten Mal ganz trocken, 1979 kam die DOC, 1992 die DOCG. Den Schub gab ab 1989 ein Forschungsprojekt der Familie Caprai mit der Universität Mailand: Klonselektion, Boden für Boden kartiert, am Ende drei Klone mit viel Farbstoff und Tannin. 1996 bekam ihr Wein „25 Anni“ drei Gläser vom Gambero Rosso.