Rebsorten in der Region Umbrien

Sagrantino & Grechetto

Rebsorten

Eine einzige Rebe beherrscht den Ruf Umbriens weit über die Landesgrenzen hinaus, und sie heißt Sagrantino. Ihre Schale ist ungewöhnlich dick. Darin steckt mehr Tannin und mehr Polyphenol als in jeder anderen bekannten Rebsorte der Welt, mehr sogar als im französischen Tannat, der lange als Rekordhalter galt. Für den Montefalco Sagrantino DOCG muss die Traube zu hundert Prozent im Glas stehen, keine Zumischung erlaubt. Mehr geht nicht. Jung schmeckt der Wein entsprechend hart.

Neben ihr steht Sangiovese, dieselbe Rebe wie in der Toskana, hier aber in neuer Rolle als Mischpartner. Der Montefalco Rosso verlangt sechzig bis achtzig Prozent Sangiovese und zehn bis fünfundzwanzig Prozent Sagrantino, den Rest füllen andere rote Sorten nach Wahl des Winzers. Seit der letzten Überarbeitung des Disciplinare im Juli 2023 ist diese Mischung freier als früher. Sangiovese liefert die Säure, Sagrantino die Wucht.

Bei den weißen Sorten regiert der Grechetto, eigentlich eine ganze Familie ähnlicher Reben. Ampelographen unterscheiden zwei Haupttypen: den Grechetto di Orvieto und den kräftigeren Grechetto di Todi, auch Gentile genannt, mit Noten von Zeder und reifer Zitrusfrucht. Beide bringen Frische und Blütenduft ins Glas. Andere weiße Sorten schmecken in der Sommerhitze schnell flach.

Die Hauptrebe von Orvieto trägt zwei Namen. International heißt sie Trebbiano Toscano, hier nennt man sie Procanico, und zusammen mit Grechetto muss sie mindestens sechzig Prozent der Orvieto-DOC-Cuvée stellen. Eine dritte, oft übersehene Sorte heißt Trebbiano Spoletino und hat mit den beiden anderen kaum mehr als den Namen gemein. Traditionell wuchs sie, mit Ahorn oder Ulme verheiratet, drei Meter über dem Boden. Das Erziehungssystem erfanden schon die Etrusker, und erst seit rund fünfzehn Jahren probieren es wieder einzelne Winzer.

Am Trasimenosee wächst eine rote Rebe, deren Namen die Überlieferung mit einer spanischen Hochzeit erklärt: Fulvio Alessandro della Corgna soll sie mit seiner Frau Eleonora de Mendoza aus Spanien an den See gebracht haben. Weil man sie wie den französischen Gamay als Buschrebe zog, hieß sie auch so, komplett falsch etikettiert. DNA-Analysen zeigten längst etwas anderes: Genetisch ist sie identisch mit Grenache, also mit dem, was Sardinien Cannonau nennt. Der Konsortium arbeitet inzwischen am neuen Namen.

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