Gläser in der Region Umbrien

Tannin verlangt Platz

Gläser

Kaum ein Wein verlangt so eindeutig nach einem großen Glas wie Sagrantino, dessen Tanningehalt der höchste je gemessene einer Rebsorte ist, und ein zu enges Glas presst die Wucht auf einen Punkt der Zunge. Ein bauchiger Kelch mit weiter Öffnung verteilt sie stattdessen über die gesamte Fläche des Mundes. Mehr Platz, weniger Härte.

Kenner greifen deshalb zum großen Bordeaux- oder Ballonglas, ähnlich dem für Barolo, weil die weite Fläche mehr Sauerstoff an den Wein lässt und das harte Tannin schon im Glas runder macht. Sechzehn bis achtzehn Grad. Kühler, als die meisten Küchen heute als Zimmertemperatur empfinden.

Ein junger Montefalco Sagrantino profitiert von einer halben bis ganzen Stunde in der Karaffe, denn ohne Luft wirkt er verschlossen und rau, mit ihr öffnen sich Beeren- und Gewürzaromen. Ältere Jahrgänge brauchen weniger. Zehn Jahre Flaschenreife runden das Tannin von selbst ab.

Der Sagrantino Passito bekommt ein kleineres Glas, ähnlich dem für Portwein, serviert kühler bei zwölf bis vierzehn Grad und in winzigen Mengen von fünfzig bis sechzig Millilitern. Mehr wäre zu viel. Bei diesem Alkohol- und Zuckergehalt ermüdet ein volles Glas die Zunge binnen weniger Schlucke.

Orvieto und Grechetto brauchen das genaue Gegenteil: ein schmales, aufrecht stehendes Weißweinglas, kalt serviert bei acht bis zehn Grad, damit Zitrusfrucht und Blütenduft nicht vorzeitig verfliegen. Ein zu großer Kelch schadet hier. Für einen Wein, der von Kühle lebt, ist warmes Glas der größte Fehler.

Eine letzte Regel gilt für beide Farben: nie bis zum Rand einschenken. Dem Sagrantino nimmt das den Raum zum Schwenken gegen sein eigenes Tannin, dem Orvieto den kühlen Kopfraum, in dem sich die flüchtigen Zitrusaromen sammeln.

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