Region & Geschichte in der Region Venetien

Acinatico bis Amarone

Region & Geschichte

Im Jahr 533 schrieb Cassiodor, der wichtigste Minister am Hof des Ostgotenkönigs Theoderich in Verona, einen Brief an die Bauern der Valpolicella. Er wollte Acinatico für die königliche Tafel, einen Wein aus angetrockneten Trauben, süß, dickflüssig und so kräftig, dass er nach Cassiodors eigenen Worten zugleich Speise und Getränk war. Diese Technik ist über tausend Jahre älter als der Name Amarone. Sie war damals längst Routine.

Parallel dazu wurde die Lagune zum Umschlagplatz für fremden Wein. Venedig eroberte 1204 im Vierten Kreuzzug die griechische Insel Monemvasia und kontrollierte von da an den Handel mit Malvasia, einem süßen Wein, der bald als der feinste ganz Europas galt. In der Stadt entstanden eigene Lokale dafür, malvasie genannt, und die Regierung begrenzte ihre Zahl im frühen sechzehnten Jahrhundert auf zwanzig. Der eigentliche Weinberg der Republik aber lag nicht in der Lagune, sondern im Hinterland.

1936 fand der Kellermeister Adelino Lucchese in der Cantina Sociale Valpolicella ein vergessenes Fass Recioto. Das war jener süße Passito, der der Valpolicella schon damals ihren Ruhm brachte. Die Gärung hatte weitergearbeitet, bis kein Zucker mehr übrig war. Aus dem erwarteten süßen Wein wurde etwas anderes: kräftig, tief und ganz und gar trocken. Kein Amaro mehr, sondern ein Amarone. Die erste Flasche mit diesem Namen kam noch im selben Jahr in den Verkauf.

Rechtlich brauchte diese Entdeckung Jahrzehnte, um anzukommen: 1968 bekamen Valpolicella, Soave und Bardolino ihre DOC. Amarone lief darin aber nur als besondere Spielart des Recioto mit. Erst im Dezember 2009 erhielten Amarone und Recioto della Valpolicella eine eigene DOCG, gültig ab dem Jahrgang 2010. Im selben Winter bekam auch der Conegliano Valdobbiadene Prosecco Superiore diesen Rang: zwei ganz verschiedene Weine, ein Jahr der Anerkennung.

Nicht jede venetische Tradition steckt in der Flasche. In Bassano del Grappa, direkt neben der von Palladio entworfenen Alten Brücke, gründete Bortolo Nardini 1779 die älteste noch arbeitende Grappa-Brennerei Italiens. Grappa entsteht aus dem, was nach dem Pressen übrig bleibt, den Trestern. Nichts wird hier verschwendet, weder die Traube noch, wie sich am Fass von 1936 zeigte, ein Irrtum.

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