
Warum Wind zählt
Klima
Die Küste ist eine der sonnigsten Gegenden Europas. Warum, liegt vor allem an einer Zahl. Auf den Steilhängen von Dingač scheint die Sonne rund 2800 Stunden im Jahr, fast so viel wie kaum irgendwo sonst an der Adria, dazu kommt das Licht, das vom Wasser zurückgeworfen wird. Zwei Seiten Sonne also, direkt und reflektiert vom Meer.
Zwei Winde entscheiden, was aus dieser Sonne wird: Bura und Jugo. Die Bura fällt kalt und trocken von den Bergen im Nordosten herab, oft in heftigen Böen, und hält die Luft über den Weinbergen trocken, sodass Pilzkrankheiten kaum eine Chance haben. Viele Winzer kommen deshalb fast ohne Spritzmittel aus.
Der Jugo dagegen kommt aus der genauen Gegenrichtung. Warm und feucht zieht er vom Süden herauf und bringt Wolken, manchmal tagelangen Regen, ausgerechnet kurz vor der Lese. Dann fault die ohnehin dünnschalige Traube direkt am Stock. Winzer beobachten im September deshalb den Himmel genauer als den Kalender.
Am Meer bleibt der Unterschied zwischen Tag und Nacht klein. Landeinwärts, im Bergland eine Autostunde entfernt, ist das ganz anders. Diese milden Nächte lassen die Säure in der reifenden Traube schneller abbauen, weil der Abbau vor allem dann weitergeht, wenn es nachts nicht richtig kühl wird, und genau das erklärt, warum Plavac Mali oft mit viel Alkohol und wenig Säure im Glas landet.
Nur wenige Kilometer landeinwärts beginnt schon die Zagora, das Hinterland. Dort ist im Sommer alles heißer und im Winter alles kälter, weil die Berge das mildernde Meer abschneiden. Die Lese hat sich in dreißig Jahren spürbar nach vorn verschoben, oft schon in den August hinein. Manche Winzer pflanzen ihre neuen Parzellen deshalb wieder höher am Hang.