
Plavac Mali & Co.
Rebsorten
Eine einzige Sorte prägt die Rotweine der ganzen Küste: Plavac Mali. Er wächst auf fast jeder Insel und an jedem Steilhang zwischen Split und Dubrovnik, und er reift launisch, mit eingeschrumpften Rosinen oft direkt neben noch grünen Beeren in derselben Traube. Wer zu früh liest, bekommt sauren Wein. Wer zu spät liest, bekommt einen mit sechzehn oder mehr Prozent Alkohol. Beides kommt vor, oft im selben Weinberg.
Lange dachte man, Plavac Mali sei eine eigenständige, uralte Sorte, bis Genetiker der University of California das um die Jahrtausendwende widerlegten. Er ist eine natürliche Kreuzung aus zwei anderen kroatischen Reben, Crljenak Kaštelanski und Dobričić von der Insel Šolta. Crljenak Kaštelanski trägt einen noch älteren Namen, Tribidrag, benannt nach dem griechischen Wort für früh reifend, und taucht 1444 in der Aufzeichnung eines Priesters aus Vodice erstmals auf. Genetisch ist er, wie eine DNA-Analyse 2001 zeigte, identisch mit dem kalifornischen Zinfandel und dem italienischen Primitivo.
Am dichtesten steht Plavac Mali auf den Steilhängen von Dingač und Postup am Pelješac. Dort ergibt er schwere, fast schwarze Weine mit viel Tannin und wenig Säure. Sie schmecken nach Karob, getrockneter Feige und dunkler Kirsche.
Auf Korčula dominiert eine andere, weiße Sorte: Pošip, seit 1967 mit eigenem Namen geschützt und die erste weiße Herkunftsbezeichnung Kroatiens überhaupt. In Lumbarda, ein paar Kilometer weiter, wächst eine noch seltenere Rarität. Grk hat nur weibliche Blüten. Er kann sich nicht selbst bestäuben, deshalb pflanzen die Winzer Plavac Mali zwischen die Reihen, als lebenden Pollenspender, denn nur der sandige Boden von Lumbarda scheint der Rebe überhaupt zu genügen. Auf Vis wächst Vugava, angeblich schon von den Griechen der Stadt Issa gekeltert. Bei Primošten reift hinter kilometerlangen Trockenmauern der kräftige Rotwein Babić in rötlicher, steiniger Erde.