Böden in der Region Istrien

Crljenica & Fliš

Böden

Grab in einem Teran-Weinberg nahe der Küste ein Loch. Schon nach der dünnen Humusschicht kommt eine Erde zum Vorschein, die so rot ist, dass sie fast wie eine Wunde im Boden aussieht. Die Einheimischen nennen sie crljenica, in der Mundart ungefähr die Rötliche. Der Farbstoff sind Eisen- und Aluminiumoxide. Sie bleiben zurück, wenn Regenwasser den darunterliegenden Kalkstein über Jahrtausende auflöst und alles andere davonträgt.

Ganz so einfach ist die Geschichte allerdings nicht. Mineralogische Untersuchungen an istrischer crljenica fanden Bestandteile, die aus dem lokalen Kalkstein allein nicht stammen können. Vermutlich handelt es sich um eingewehten Lössstaub aus der mittleren Altsteinzeit, der sich mit dem, was der Fels selbst hergab, über Jahrtausende vermischte. Fachleute nennen crljenica deshalb polygenetisch — aus mehreren Quellen entstanden statt aus einer einzigen. Der Boden unter einer Teran-Rebe ist also älter und weiter gereist, als es die Landschaft vermuten lässt.

Nur wenige Kilometer weiter im Landesinneren, um Buzet und Motovun, sieht der Untergrund völlig anders aus, denn dort herrscht fliš, ein gebändertes Sediment aus Mergel und Sandstein in Grautönen, das beim Verwittern hell und locker zerfällt. Er hält weniger Wärme als die dunkle crljenica, dafür mehr Feuchtigkeit. Seit Langem gilt er als der Boden, auf dem Malvazija ihre feinsten, duftigsten Weine gibt.

Unter der crljenica wird der Kalkstein schnell hart und brüchig. Eine Rebwurzel zwängt sich in seine Risse und findet dort Wasserreserven für den Hochsommer. Sie wächst dabei kaum in die Breite, sondern fast nur in die Tiefe. Das kostet Kraft, die der Rebe anderswo fehlt: Die Beeren bleiben klein, mit viel Schale im Verhältnis zum Saft. Genau in der Schale sitzen Farbe, Gerbstoff und der Großteil der Aromen. So erklärt sich, warum Teran von steilen crljenica-Lagen dichter und dunkler schmeckt als derselbe Teran aus der Ebene.

Grab dich durchSchicht antippen

Dünne, dunkle Auflage aus verrottetem Laub, kaum eine Handbreit über der roten Erde.

Die Wurzel: Hier liegen die Feinwurzeln, die den ersten Regen abgreifen — und als Erste austrocknen.

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