
Bura und Meer
Klima
Istriens Wetter entsteht im Widerstreit zweier Winde, die aus entgegengesetzten Richtungen kommen. Das Meer hält die Küste mild. Abends sorgt es für kühlere Luft, die die Reifezeit der Trauben verlängert und ihre Säure bewahrt, während aus dem Nordosten, von der Ćićarija und dem Gebirgszug der Učka herunter, ein ganz anderer Wind bläst: die Bura. Sie ist ein kalter, böiger Fallwind. An der nahen Kvarner-Küste erreichen ihre Böen über hundert Kilometer pro Stunde, und im Winter kann sie tagelang durchhalten.
Für die Reben ist das kein reiner Nachteil. Die Bura trocknet die Trauben nach Regen sehr schnell, und trockene Trauben faulen nicht, deshalb kommen Pilzkrankheiten in Istrien seltener vor als in feuchteren Weinbaugebieten. Der Wind zwingt viele Winzer allerdings dazu, ihre Stöcke niedrig zu halten und in seine Richtung auszurichten. Sonst reißt er ihnen die jungen Triebe ab. Wer das ignoriert, verliert nach einem harten Wintersturm ganze Reihen.
Der zweite Wind, das Jugo, kommt aus dem Süden. Er bringt genau das Gegenteil: feuchte, warme Luft und oft tagelangen Regen. Zwischen beiden Winden liegt die eigentliche Wetterlage Istriens, nicht in festen Durchschnittswerten. Ein Sommer kann ganz von der Bura geprägt sein, trocken und knackig, oder er gehört ganz dem Jugo, schwül und regenreich. Das entscheidet mehr über den Jahrgang als jede einzelne Temperaturzahl.
Zur Küste hin fällt weniger Regen als im Landesinneren. Insgesamt sind es über das Jahr rund achthundert Millimeter, die meisten davon im Winter und Frühling. Landeinwärts, um Buzet und Motovun, wird das Klima kontinentaler. Dort schwankt die Temperatur zwischen Tag und Nacht stärker als direkt am Meer, und genau diese Schwankung hält die Säure in der Traube fest, während sie an der milden Küste schneller verschwindet. Deshalb schmecken Weine aus dem Hinterland oft straffer als ihre Nachbarn vom Meer, obwohl zwischen beiden Lagen manchmal nur zwanzig Kilometer liegen.