
Histri, Rom, Venedig
Region & Geschichte
Der Name Istrien stammt von einem Volk, das es heute nicht mehr gibt. Die Histri lebten hier, lange bevor römische Truppen überhaupt in Sichtweite kamen, und leisteten mit einer eigenen Flotte Widerstand. Erst 178 und 177 vor Christus zwangen zwei Feldzüge unter dem Konsul Manlius Vulso sie endgültig in die Knie. Ihre letzte Festung Nesactium fiel im dritten Sturmangriff, nahe der Stelle, an der heute Pula liegt. Rom blieb. Es baute im ersten Jahrhundert ein Amphitheater für rund zwanzigtausend Zuschauer, unter Kaiser Vespasian vollendet, und es steht bis heute unversehrt am Hafen.
Fünfhundert Jahre später kam eine andere Botschaft an die Küste. In Poreč ließ Bischof Eufrazije im sechsten Jahrhundert eine Kirche bauen: die Euphrasius-Basilika. Innen leuchten bis heute Mosaiken aus Gold und Perlmutt. 1997 nahm die UNESCO den gesamten bischöflichen Komplex in ihre Welterbeliste auf. Wein gehörte da längst zum Alltag der Gegend. Seinen größten Schub bekam er aber erst durch eine fremde Herrschaft.
Jahrhundertelang gehörte der Küstenstreifen zu Venedig, und die Lagunenstadt handelte mit allem, was hier wuchs. Dazu zählte eine aromatische weiße Rebe, Malvasia, verteilt über ihre Schiffsrouten quer durchs Mittelmeer. In Istrien blieb daraus die Malvazija. Nach Venedigs Ende 1797 wechselte die Halbinsel mehrfach den Herrscher: erst Österreich, dann ab 1918 Italien, dann Jugoslawien nach 1945, und unter den Jugoslawen entstanden riesige Genossenschaftskellereien, die Wein in Tonnen dachten und nicht in Lagen. Ein Nachbar, der in vier verschiedenen Ländern geboren wurde, ohne je umzuziehen, war hier keine Ausnahme, sondern die Regel.
Nach der kroatischen Unabhängigkeit 1991 kehrte die Familienarbeit zurück. Kleine Güter übernahmen alte Parzellen von den ehemaligen Kombinaten und bauten eigene Keller, in denen sie mit Malvazija und Teran ernsthaft zu arbeiten begannen. Der Erfolg brachte 2017 einen Streit vor den EU-Gerichtshof: Slowenien wollte den Namen Teran für sich allein. 2020 entschied das Gericht gegen Slowenien. Kroatische Winzer dürfen ihren Teran weiterhin so nennen, nur mit dem Zusatz „Hrvatska Istra“ in größerer Schrift davor — ein Kompromiss, den beide Seiten bis heute unterschiedlich lesen.