
Beton, Fass, Amphore
Herstellung
Kein Weingut im Bekaa-Tal arbeitet so eigensinnig wie Château Musar. Jede der drei Rebsorten — Cabernet Sauvignon, Cinsault und Carignan — vergärt zunächst getrennt in Betontanks, mit den Hefen, die ohnehin auf der Traube sitzen, bei Temperaturen unter dreißig Grad. Erst sechs Monate nach der Lese wandert der Wein in französische Eichenfässer aus Nevers, für zwölf Monate. Verschnitten wird erst zwei Jahre nach der Ernte. Danach reift die fertige Cuvée noch einmal ein Jahr im Beton, bevor sie unfiltriert und ungeschönt in die Flasche kommt. Von der Lese bis zum Verkauf vergehen volle sieben Jahre — eine Geduld, die sich kaum ein anderes Weingut der Welt leistet.
Ganz anders, aber ebenso von der Geschichte geprägt, reift der Wein bei Château Ksara. 1898 stießen Arbeiter beim Ausbau des Kellers zufällig auf eine Höhle aus römischer Zeit. Inzwischen erstrecken sich die Gänge über zwei Kilometer unter dem Weingut, bei einer Temperatur und Luftfeuchtigkeit, die sich über das ganze Jahr kaum verändert. Fässer, die hier lagern, brauchen weder Klimaanlage noch Heizung. Der Fels macht die Arbeit von selbst.
Nicht jede Traube im Bekaa-Tal wird überhaupt zu Wein. Nach Gesetz darf Arak nur aus Obeideh oder Merwah gebrannt werden, dreifach destilliert in kupfernen Brennblasen. Erst beim letzten Durchgang kommt zerstoßener Anis dazu, dessen Öl dem Schnaps seinen charakteristischen Geschmack gibt. Danach muss der Arak mindestens ein Jahr in Tongefäßen reifen, bevor er verkauft werden darf. Wein und Arak stammen damit oft von denselben Rebstöcken. Nur der Weg danach trennt sich vollständig.