
Bordeauxglas und Arak-Glas
Gläser
Zwei Gläser gehören zum Bekaa-Tal, und sie könnten unterschiedlicher kaum sein. Das eine ist ein großbauchiges Bordeauxglas für die roten Cuvées aus Cabernet Sauvignon, Cinsault und Carignan. Das andere ist ein kleiner, schmuckloser Wasserbecher — für Arak.
Ein Wein von Château Musar kommt schon mit sieben Jahren Reife auf den Markt. Zwei Jahre reift er im Fass, ein weiteres Jahr im Beton, mindestens vier Jahre danach in der Flasche. Trotzdem lohnt sich ein weites Glas. Die langsame Reifung hat den Wein zwar geöffnet. Seine Aromen — getrocknete Feige, Leder, ein Hauch Stall — brauchen trotzdem Raum, um sich zu entfalten, statt sich in einer engen Öffnung zu stapeln. Sechzehn bis achtzehn Grad sind die richtige Trinktemperatur, kühler als ein Wohnzimmer im libanesischen Sommer es normalerweise hergibt.
Beim Arak gilt die entgegengesetzte Logik. Eingeschenkt wird pur, ohne Eis, in ein kleines Glas — Wasser kommt erst danach, im Verhältnis von etwa einem Teil Arak auf zwei Teile Wasser. Der klare Schnaps trübt sich dabei sofort milchig weiß; Libanesen nennen diesen Effekt schlicht die Milch der Löwen. Erst zum Schluss folgt Eis, direkt ins fertige Gemisch. Wer die Reihenfolge umdreht und zuerst Eiswürfel ins pure Glas legt, bekommt einen unschönen öligen Film auf der Oberfläche.
Am Familientisch in Zahle eröffnet traditionell der älteste Mann die erste Flasche selbstgebrannten Araks. Bevor überhaupt getrunken wird, schenkt er drei kleine Gläser ein: eines für die Vorfahren, eines für das Land, eines für die Gäste. Erst danach beginnt der eigentliche Abend.