
Kühler durch Wald
Klima
Codru heißt Wald, und der Name ist Programm fürs Klima. Eichen- und Lindenwälder bedecken große Teile der Hügel zwischen Chișinău und Orhei und bremsen den Wind, der sonst über die offene Steppe im Süden fegt. Der Wald kühlt mit.
Das Ergebnis ist ein gemäßigtes Kontinentalklima mit milden, kurzen Wintern und langen, warmen Sommern. Im Jahresmittel liegt die Temperatur zwischen neun und neuneinhalb Grad. Die Sonne scheint dabei an über dreihundert Tagen im Jahr. Regen fällt selten, im Schnitt vierhundertfünfzig bis fünfhundertfünfzig Millimeter im Jahr. Das meiste davon fällt im Sommer, genau dann, wenn die Reben es brauchen.
Wichtiger als der Mittelwert ist der Wald selbst. Er hält nachts die Kühle in den Senken fest und schützt die Weinberge im Frühling vor Spätfrösten, die im offenen Süden des Landes ganze Jahrgänge kosten können. Wo Wald an Weinberg grenzt, bleibt die Luft im Mai ein paar Grad wärmer als über freiem Feld, und das reicht oft, um eine Blüte zu retten. Der Effekt ist messbar.
Die Weinberge liegen zwischen hundertfünfzig und vierhundert Metern Höhe. Die meisten Hänge sind sanft und nach Süden oder Südosten geneigt. Höher gepflanzte Parzellen bei Orhei behalten länger ihre Säure, weil es dort kühler bleibt. Das Ergebnis sind Weißweine, die frisch bleiben, ohne grün zu schmecken, und ein Grundwein für Schaumwein, der auch nach Jahren im Stollen noch Spannung zeigt. Diese Kombination aus Wald, Höhe und gemäßigten Temperaturen ist der Grund, warum Codru für Weißwein und Schaumwein deutlich besser geeignet ist als der trockenere Süden des Landes.