
Rara Neagră zuerst
Verkosten
Eine Verkostung in Ștefan Vodă beginnt am besten hell und endet dunkel, sonst schmeckt man die feineren Weine gar nicht mehr. Als Erstes kommt die Rara Neagră ins Glas, kaum dunkler als ein kräftiger Rosé. Ihr Duft erinnert an rote Kirsche, getrocknete Kräuter und einen Hauch Erde. Im Mund fällt sofort die Säure auf, spitz und lebendig, während der Körper eher leicht bleibt.
Danach folgt, wenn ein Gut sie führt, die Fetească Neagră. Sie ist dunkler in der Farbe, wärmer im Duft, mit Noten von Backpflaume und einem Hauch Tabak. Ihre Tannine, der trocknende Griff auf der Zunge, sind runder als bei der Rara Neagră. Wer beide nacheinander probiert, versteht sofort, warum man sie in Moldau als zwei getrennte Persönlichkeiten behandelt und nicht als Varianten derselben Sorte.
Den Abschluss bildet fast immer der Negru de Purcari. Dunkles Rubinrot, ein Duft nach schwarzer Kirsche, Cassis und geröstetem Holz, und im Mund eine Wand aus Tannin, die erst nach Minuten nachlässt. Genau diese Struktur überzeugte 1878 die Jury der Weltausstellung in Paris. Bis heute überzeugt sie Weinkenner, die den Wein zum ersten Mal probieren.
Serviert wird die Rara Neagră leicht gekühlt, um vierzehn, fünfzehn Grad. Sonst wirkt die Säure schrill. Der Negru de Purcari verträgt Zimmertemperatur gut. Eine Stunde Luft in der Karaffe tut ihm dabei besser als jede Kühlung. Zwischen den Gläsern hilft ein Stück Brot oder ungesalzene Nüsse, den Gaumen zurückzusetzen, aber kein Wasser, denn das spült die Aromen nur weg, urteilt jeder Winzer am Nistru gleich.