
Steppensonne & Trockenheit
Klima
Die Sonne ist hier selten das Problem. Zwischen 310 und 320 Tage im Jahr scheint sie über der Bugeac-Steppe. Das ist mehr als fast überall sonst in Moldawien und macht Valul lui Traian zur sonnenreichsten der drei Weinregionen des Landes. Das größere Problem ist der Regen, der fehlt: Im Schnitt fallen nur 450 bis 550 Millimeter im Jahr, spärlich verteilt über die gesamte, oft quälend lange Vegetationsperiode des Jahres.
Fachleute messen die Wärme eines Weinjahres in der Summe der aktiven Temperaturen, den sogenannten Gradtagen, addiert aus allen Tagen über zehn Grad. In Valul lui Traian kommen dabei 3000 bis 3450 Gradtage zusammen, mehr als in jeder anderen moldauischen Weinregion. Die Vegetationsperiode selbst dauert 179 bis 187 Tage. Das reicht auch für späte, kräftige Rotweinsorten wie Cabernet Sauvignon, die anderswo im Land kaum ausreifen.
Höhe mildert die Hitze etwas. Die Weinberge liegen zwischen 5 und 311 Metern über dem Meer, von den flachen Ufern des Prut bis zu den Hügeln der Tigheci-Wälder, ein Unterschied, den die Rebe deutlich spürt. Wo der Wald die Ebene ablöst, fällt mehr Niederschlag. Die Tage sind dann kühler. Deshalb stehen dort eher weiße und aromatische Sorten wie Viorica. Auf der offenen Bugeac-Steppe dagegen brennt die Sonne fast ungebremst, und genau das treibt die roten Trauben zu Fülle und hohem Zuckergehalt.
Trockenheit ist trotzdem die größte Sorge der Winzer. Ein Sommer ohne echte Regenwochen ist in der Steppe keine Ausnahme, sondern eher die Regel. Die Reben wurzeln deshalb tief, um noch Feuchtigkeit im unteren Boden zu finden. Genau diese Tiefe prägt später den Geschmack des Weins, wie die nächste Station zeigt.