Region & Geschichte in der Region Central Otago

Goldrausch bis Rippon

Region & Geschichte

Im August 1862 legten der Amerikaner Horatio Hartley und der Ire Christopher Reilly fast vierzig Kilogramm Gold auf den Tresen der Schatzkammer in Dunedin. Der Ansturm auf die Gegend um Dunstan begann noch am selben Tag. Innerhalb weniger Monate wuschen zehntausende Männer den Kies der Flüsse Clutha und Kawarau nach Gold. Mitten in der Wildnis wuchsen die Zeltlager, aus denen später Cromwell, Clyde und Alexandra wurden. An Wein dachte hier zunächst niemand.

Ein Franzose kam trotzdem auf die Idee. Jean Désiré Féraud traf 1863 mitten im Goldrausch ein und pachtete vierzig Hektar Land bei Clyde. Schon ein Jahr später pflanzte er die ersten Reben der Region und taufte sein Anwesen Monte Christo. Bis 1872 warf das Land genug ab, dass er sich ein eigenes Weingut aus Schieferstein bauen konnte, das bis heute steht und als ältestes der Südinsel gilt. Sein Wein gewann sogar eine Goldmedaille in Sydney, 1881.

Der Erfolg hielt nicht an. Als das Gold zur Neige ging, zogen die meisten Männer weiter, und mit ihnen verschwand der Absatzmarkt. Schafzucht und Obstbau brachten sicheres Geld, Reben nicht. Selbst als der staatliche Rebenexperte Romeo Bragato die Gegend Ende des neunzehnten Jahrhunderts bereiste und ihr gute Aussichten bescheinigte, änderte das nichts mehr. Fast hundert Jahre lang wuchs hier kein Wein, der diesen Namen verdient hätte.

Die Wiederentdeckung kam über einen Umweg durchs Kriegsschiff. Rolfe Mills diente im Zweiten Weltkrieg auf einem U-Boot und sah dabei die Schieferterrassen im portugiesischen Douro-Tal, die ihn an die Hänge seiner Familie am Lake Wanaka erinnerten. 1975 pflanzte er zusammen mit seiner Frau Lois die ersten Versuchsreben von Rippon, gleich dreißig Sorten auf einmal, von Riesling bis Gewürztraminer. Sechs Jahre später steckte der Journalist Alan Brady in Gibbston sein eigenes Versuchsfeld ab. In Wellington hielt man beide für leicht verrückt: zu kalt, zu weit im Süden, hieß es.

Sie behielten recht. 1985 verkaufte Ann Pinckney den ersten kommerziellen Central-Otago-Wein seit den 1860er-Jahren. Zwei Jahre später brachte Gibbston Valley Wines seinen ersten Pinot Noir auf den Markt, und 1989 folgte Rippon mit dem eigenen. Aus ein paar verstreuten Hektar wurde eine Region mit heute mehr als zweitausend Hektar Rebfläche. Seit 2018 führt das neuseeländische Markenamt IPONZ Central Otago als eigene geografische Angabe, verwaltet von der Central Otago Winegrowers Association. Anders als in der EU gibt es dafür keine Herkunftsverordnung, sondern ein eigenes Gesetz von 2006. Die Idee dahinter ist trotzdem dieselbe: Der Name auf dem Etikett muss stimmen.

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