Rebsorten in der Region Central Otago

Pinot Noir, fünf Täler

Rebsorten

Fährst du zwischen Cromwell und Alexandra die Weinberge ab, siehst du fast überall dieselbe Rebe. Mehr als vier von fünf der rund 2.160 Hektar Rebfläche (Stand 2025) tragen Pinot Noir, auf Deutsch Spätburgunder. Dieselbe Sorte wächst auch im Burgund und an der Ahr. Keine andere Weinregion Neuseelands hängt so sehr an einer einzigen Traube.

Trotzdem schmeckt sie von Tal zu Tal anders. In Gibbston, dem höchsten und kühlsten Talkessel der Region, bleibt der Pinot Noir schlank und würzig, mit viel Säure und feinem Tannin. Tannin ist das leicht raue, pelzige Gefühl im Mund, das aus Traubenschale und Kernen stammt. In Bannockburn dagegen, das Einheimische wegen der Trockenheit „Heart of the Desert“ nennen, wird aus derselben Sorte ein dichterer, dunkler schmeckender Wein mit einer Note von wildem Thymian, der auf den Hügeln ringsum wächst.

Weiter nördlich, im breiten Cromwell-Becken um Lowburn und Pisa, liegt die größte zusammenhängende Rebfläche der Region. Der Wein wirkt dort fruchtbetonter. Bei Alexandra wiederum, wo die Sommer am heißesten und die Nächte am kältesten werden, entstehen die kräftigsten, am längsten lagerfähigen Weine. Ein und dieselbe Traube, vier Täler, vier ganz eigene Ausdrucksformen.

Den Rest teilen sich vor allem weiße Sorten. Am meisten stehen Chardonnay und Grauburgunder in der Erde, der deutsche Name für Pinot Gris, dazu kommen Riesling und, seltener, Gewürztraminer. Aus Chardonnay und Pinot Noir gemeinsam entstehen außerdem die Grundweine für den Schaumwein der Region. Der reift nach klassischer Flaschengärung jahrelang auf der eigenen Hefe.

Am Rippon-Weingut über dem Lake Wanaka testeten die Gründer in den Siebzigern noch dreißig Sorten gleichzeitig, von Riesling bis zu seltenen deutschen Kreuzungen. Übrig geblieben sind heute vor allem Pinot Noir, Riesling und Gewürztraminer. Der Rest verschwand aus den Weinbergen, weil er entweder nicht richtig reif wurde oder schlicht schlechter schmeckte als diese drei.

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