
Stiele im Tank
Herstellung
Die meisten Weinberge in Martinborough sind klein, oft nur wenige Hektar groß und von Hand bewirtschaftet. Das hat einen einfachen Grund: Die alten Kiesterrassen der Region wurden in kleinen Parzellen erschlossen, von einzelnen Familien statt von Konzernen, und diese Struktur ist bis heute geblieben. Geerntet wird deshalb fast überall von Hand. Das passiert meist früh am Morgen, wenn die Beeren nach der kühlen Nacht noch fest sind.
Im Keller entscheidet sich dann, wie viele ganze Trauben mit Stielen und allem am Ende in den Gärtank kommen. Das ist eine Frage, die in kaum einer anderen Region so ernst genommen wird wie hier. Larry McKenna kam 1986 als Kellermeister zu Martinborough Vineyard und gründete 1998 sein eigenes Weingut Escarpment. Diese Technik hatte er bei einem Arbeitsaufenthalt bei Domaine Dujac in Burgund kennengelernt. Bei ihm füllen in besonders guten Jahren bis zu siebzig Prozent ganze Trauben den Tank. Das ist mehr als bei fast jedem anderen Winzer im Land. Die Stiele geben Struktur und einen würzigen, leicht pfeffrigen Ton, verlangen dafür aber Trauben, die wirklich reif sind, sonst schmeckt der Wein grün und bitter.
Die Gärung selbst läuft in offenen Bottichen. Oft geschieht das mit wilden Hefen, die von den Schalen mitgebracht werden, statt mit gekauften Reinzuchthefen. Das Ergebnis ist unberechenbarer, aber komplexer im Geschmack. Nach zwei bis drei Wochen kommt der Wein ins Holz. Es handelt sich um französische Eichenfässer, meist gebrauchte oder nur teilweise neue, weil frisches Holz den zarten Duft des Pinot Noir sonst überdecken würde.
Anders als in Europa schreibt kein Gesetz vor, wie lange ein Martinborough-Pinot-Noir im Fass oder in der Flasche reifen muss, bevor er verkauft werden darf. Neuseeland kennt keine Ausbauvorschriften dieser Art. In der Praxis liegen die meisten Weine dennoch zehn bis achtzehn Monate im Holz. Bei den ambitioniertesten Gütern wie Ata Rangi dauert es manchmal länger, bevor sie überhaupt abgefüllt werden.