
An einem Veltliner
Verkosten
Nimm ein Glas Grüner Veltliner und schau zuerst auf die Farbe. Jung ist er blassgelb mit einem Hauch Grün, mit ein paar Jahren im Keller wird daraus ein sattes Gold. Diese Verfärbung allein verrät oft schon, ob eine Flasche für die Reserve-Kategorie gedacht war oder für den schnellen Trinkgenuss.
Dann riechen, und zwar zweimal. Einmal ruhig im stehenden Glas, da kommt meist zuerst grüner Apfel mit etwas Zitrusschale, dann noch einmal kräftig geschwenkt, wenn die Würze folgt, wegen der Kremstal-Weine berühmt sind. Weißer Pfeffer kommt dazu. Manchmal auch ein Hauch Tabak, der von der Rebsorte selbst stammt und mit Holz nichts zu tun hat.
Im Mund achte auf zwei Dinge getrennt: die Säure und den Körper des Weins. Die Säure spürst du seitlich an der Zunge, sie lässt den Speichel fließen, während der Körper zeigt, wie schwer oder leicht sich der Wein anfühlt. Ein Gebietswein wirkt meist schlank und geradlinig. Ein Riedenwein von den Terrassen bringt mehr Druck mit, fast salzig, dazu diese steinige Note, die man gern mineralisch nennt.
Riesling verkostest du ähnlich, nur verschiebt sich die Frucht. Statt Apfel schmeckst du Pfirsich, dazu oft eine Ahnung von Honig, selbst wenn der Wein ganz trocken ist. Die Säure ist meist noch höher als beim Veltliner, deshalb lohnt es sich, ein paar Minuten zu warten, bis der erste scharfe Eindruck sich beruhigt.
Am Ende zähl den Abgang: Wie lange bleibt der Geschmack, nachdem du geschluckt hast? Bei einem einfachen Gebietswein sind es ein paar Sekunden. Bei einem guten Riedenwein von Wachtberg oder Pfaffenberg kann daraus eine ganze halbe Minute werden, in der Pfeffer, Stein und Frucht langsam nacheinander verschwinden.