Böden in der Region Steiermark

Opok & Vulkangestein

Böden

Grab in einem Weinberg der Südsteirischen Weinstraße ein Loch. Nach der dünnen Humusschicht kommt ein Gestein, das die Winzer hier Opok nennen: ein feinkörniger Kalkmergel, grau bis bläulich, manchmal mit rostbraunen Streifen. Nass lässt er sich kaum mit dem Spaten teilen. Trocken bricht er hart wie Beton.

Seine Geschichte beginnt im Meer. Vor Millionen Jahren lag hier die Paratethys, ein Binnenmeer zwischen den heutigen Alpen und dem Balkan. In seine Schlickböden spülten Flüsse immer wieder Sand und feinen Schotter ein. Der Druck presste alles zu Gestein — dünne Bänder aus grobem Material zwischen den feinen Mergellagen, ein gestreiftes Erbe des Meeresbodens.

Für die Rebwurzel ist das eine Zumutung mit Nutzen. Im Sommer trocknet Opok an der Oberfläche staubtrocken aus, während er tiefer unten Feuchtigkeit hält wie ein Schwamm. Die Wurzel muss also weit hinunter, um zu überleben — genau das zwingt sie zu kleinen, konzentrierten Beeren. Man schreibt dem Opok deshalb eine kühle, fast rauchige Mineralität zu, die man in kaum einem anderen Sauvignon Blanc der Welt findet.

Im Sausal, dem steilsten Teil der Südsteiermark, liegt ein anderer Boden: Schiefer aus dem Erdaltertum, dreihundert bis dreihundertfünfzig Millionen Jahre alt, der dort in dünnen, glänzenden Platten aus Tonschiefer und Grünschiefer bricht. Er hält kaum Wasser, dafür Wärme — an den bis zu neunzig Prozent steilen Hängen reift hier vor allem Riesling zu einer Dichte heran, die man einem Kühlklimaweinbaugebiet kaum zutraut.

Im Vulkanland ist alles noch einmal anders. Dort liegen Tuff — verfestigte Vulkanasche, die vor Jahrmillionen explosionsartig aus dem Boden schoss — und hartschwarzer Basalt. Beide liegen neben Kalk- und Sandsteinresten desselben Urmeeres, das auch den Opok im Süden schuf. Wärme speichernde Vulkangesteine treffen dort auf helle Kalkschichten, oft im selben Weinberg. Das erklärt, warum das Vulkanland trotz seiner drei Grad Zusatzwärme so würzige, fast salzige Weine hervorbringt.

In der Weststeiermark schließlich dominiert Gneis, ein kristallines Urgestein, das im Norden des Gebiets in graue, plattige Platten zerfällt und kaum Kalk enthält. Zusammen mit sandig-lehmigen Böden im Süden ergibt das einen kargen, wasserdurchlässigen Untergrund. Genau diese Bedingung treibt den Blauen Wildbacher zu seiner unerbittlichen Säure, statt ihn weich und rund werden zu lassen.

Grab dich durchSchicht antippen

Dünne dunkle Auflage aus verrottetem Gras und Wurzelresten, typisch für einen Weinberg an der Südsteirischen Weinstraße.

Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln. Sie holen, was der Regen gerade bringt, und sind im Sommer als Erste trocken.

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