
Säure braucht Enge
Gläser
Ein Glas entscheidet, wie viel Duft ankommt, bevor der Wein überhaupt die Zunge erreicht, und bei einem so aromatischen Wein wie dem Sauvignon Blanc aus der Südsteiermark macht das einen großen Unterschied. Stachelbeere, Holunderblüte und grüne Paprika sind flüchtige Aromen. Ein zu weites Glas lässt sie entweichen, bevor man die Nase hineinhält.
Deshalb greifen viele steirische Winzer zu einem schmalen, hohen Weißweinglas. Österreichische Glashersteller haben diese Form eigens für aromatische, kühle Weißweine wie Riesling, Grüner Veltliner und Sauvignon Blanc entwickelt. Der enge Kelch bündelt den Duft auf dem Weg zur Nase, statt ihn im Raum zu verteilen. Gleichzeitig betont er die mineralische Seite des Weins.
Bei der Temperatur zahlt sich Zurückhaltung aus. Acht bis zehn Grad sind für einen jungen Sauvignon Blanc richtig, kühler als für die meisten anderen Weißweine. Sowohl die Säure als auch die grasig-grünen Noten werden bei Wärme sonst schnell aufdringlich. Zu warm serviert, schmeckt derselbe Wein plötzlich nach Alkohol statt nach Stachelbeere.
Schilcher aus der Weststeiermark verlangt noch mehr Kälte. Sechs bis acht Grad sind richtig, fast wie ein Rosé aus dem Kühlschrank. Seine Säure ist so ausgeprägt, dass sie bei Zimmertemperatur schneidend statt belebend wirkt. Ein etwas offeneres Glas als beim Sauvignon Blanc hilft hier: Es gibt der Himbeer- und Johannisbeerfrucht Raum, damit sie neben der Säure überhaupt wahrgenommen wird.
Und dann die Frage, wie lange ein Wein warten darf: Die meisten steirischen Weißweine sind auf schnelles Trinken angelegt, jung und frisch am besten. Nur die Große STK Lage verträgt eine Karaffe und ein paar Jahre im Keller — mit mindestens fünfzehn Jahre alten Reben und einem Reifepotenzial von zehn Jahren. Der Rest gehört ins Glas, solange er noch nach der Ernte duftet.