
Enge Öffnung, viel Säure
Gläser
Ein Glas entscheidet, wo der erste Schluck auf der Zunge landet. Bei einem so von Säure geprägten Wein wie dem Traisentaler Grünen Veltliner ist das kein Nebendetail.
Ein weites, offenes Glas, wie man es für schwere Rotweine nimmt, lenkt den Wein direkt auf die Zungenspitze und die Seiten, wo Säure am schärfsten wahrgenommen wird. Bei einem Wein mit so viel Frische kippt das schnell ins Unangenehme: Der Wein wirkt dann dünn und aggressiv, obwohl er das gar nicht ist.
Besser eignet sich ein schmaleres Glas mit einer Öffnung, die sich leicht nach innen zieht. Es führt den Wein eher zur Zungenmitte und lässt die Frucht vor der Säure ankommen. Gleichzeitig sammelt die enge Öffnung den Pfefferduft des Grünen Veltliners, statt ihn sofort zu verstreuen; genau dieses Aroma soll als Erstes in die Nase steigen, bevor überhaupt geschluckt wird.
Beim Riesling aus dem Traisental gilt Ähnliches, nur zugespitzt. Seine Säure ist noch prägnanter. Seine Aromen liegen zwischen Steinobst und einer fast staubigen Mineralik, die von den Konglomeratböden kommt. Ein hohes, schlankes Glas mit kleiner Öffnung bündelt genau diese leisen Töne, die in einem großen Glas einfach untergehen würden.
Temperatur zählt hier fast so viel wie die Form. Zu kalt serviert, verschließt sich beides. Der Pfeffer beim Veltliner und das Steinobst beim Riesling bleiben stumm, weil Kälte Aromen bremst. Acht bis zehn Grad reichen, nicht die Eiseskälte, die viele Heurige aus Gewohnheit servieren.