
Am Gemischten Satz
Verkosten
Halt ein Glas Wiener Gemischten Satz gegen das Licht, am besten über etwas Weißem. Die Farbe reicht von blassem Strohgelb bis zu einem Gelb mit leicht grünlichem Schimmer, je nachdem, wie viel Grüner Veltliner im Satz steckt. Ein dunkleres Gold deutet dagegen auf mehr Neuburger oder auf ein, zwei Jahre Flaschenreife hin.
Riech zuerst, ohne zu schwenken. Weil mehrere Sorten gemeinsam vergoren wurden, riecht der Wein nicht nach einer einzelnen Frucht, sondern nach mehreren Dingen gleichzeitig: grüner Apfel und Zitrusschale vom Riesling, ein Hauch weißer Pfeffer vom Grünen Veltliner. Dazu kommt oft ein nussiger Unterton, den ältere Sorten wie der Neuburger beisteuern. Diese Unschärfe ist kein Fehler in der Nase. Sie ist der Sinn der ganzen Übung.
Nach dem Schwenken kommt meist noch eine Blütennote dazu, manchmal ein Hauch Honigmelone — je nachdem, welche dritte oder vierte Sorte im jeweiligen Weingarten mitsteht. Genau deshalb schmeckt derselbe Name von einem Weingut am Nussberg nie ganz gleich wie derselbe Name vom Kahlenberg. Eine Cuvée lässt sich mit etwas Übung zerlegen. Ein echter Feldsatz kaum, weil seine Bestandteile seit der Blüte zusammen gewachsen sind.
Im Mund achte auf die Säure zuerst. Sie sitzt seitlich an der Zunge, macht den Speichel fließen und trägt den Wein nach vorn, ohne dass viel Alkohol dahinterstehen muss — die Basisstufe darf höchstens zwölfeinhalb Prozent haben. Dahinter folgt oft eine leicht salzige, mineralische Note. Viele Wiener Trinker schreiben sie dem Löss unter den Reben zu, auch wenn die Wahrheit komplizierter ist als dieser einfache Satz.
Am Ende zähl den Abgang. Bei einem einfachen Wien DAC hält der Geschmack nach dem Schlucken oft nur wenige Sekunden, frisch und unkompliziert. Ein Ortswein aus einer der sieben benannten Lagen bleibt spürbar länger, manchmal zwanzig Sekunden und mehr. Genau an dieser Länge erkennt man im Glas, was am Etikett noch gar nicht draufsteht: wie viel Arbeit im jeweiligen Weingarten steckte.