
Aragonez & Co.
Rebsorten
Eine Rebe bestimmt hier das Bild; Aragonez ist nichts anderes als Tempranillo, dieselbe Rebe, die in Rioja unter ihrem eigenen Namen läuft. Im Alentejo reift sie in der Hitze der Ebene früher und dichter. Statt der straffen Säure, die sie weiter nördlich zeigt, bringt sie hier reife rote Frucht und weiche Gerbstoffe. Mehr braucht sie nicht.
Ihre wichtigste Begleiterin heißt Trincadeira, im Douro als Tinta Amarela bekannt. Sie treibt spät aus und fault leicht bei Regen; in einem so trockenen Sommer wie dem alentejanischen stört das kaum. Dafür bringt sie zurück, was Aragonez oft fehlt: Pfeffer, dunkle Kräuter und eine Säure, die den Wein am Leben hält, wenn die Sonne alles andere weich gekocht hat. Genau das fehlt ihr sonst.
Die dritte im Bund ist eine Einwanderin mit einer Besonderheit; kaum eine andere Rebe teilt sie. Alicante Bouschet wurde zwischen 1855 und 1865 von Henri Bouschet im französischen Languedoc gezüchtet, aus einer Kreuzung von Petit Bouschet und Grenache. Ihr Fruchtfleisch ist rot, nicht weiß wie bei fast jeder anderen Traube. Das ist ihre Marke. 1894 kam sie erstmals im Alentejo in die Erde, auf dem Weingut Dourada. Hier fand sie ein Zuhause, das ihr besser passt als die südfranzösische Heimat. Weine, die anderswo nur Farbe liefern sollen, erreichen im Alentejo eine Tiefe, die Kenner heraushebt.
Castelão, eine alte Rebe aus dem ganzen Süden Portugals, steuert Struktur und dunkle Kirsche bei. Bei den Weißweinen führt Antão Vaz, ursprünglich aus der Gegend um Vidigueira und Évora. Sie ist dickschalig genug, um in der Hitze ihre Säure zu halten, mit Aromen nach reifer Ananas und einer öligen Textur. Roupeiro wird zwar am meisten angebaut, verliert seinen Duft aber schnell; er landet darum meist in jungen, einfachen Weinen. Arinto liefert dazu die spitzere Säure, die den Verschnitten Kontur gibt. Nicht mehr, nicht weniger.