
Leitão und Espumante
Wein & Essen
In Mealhada dreht sich alles um ein einziges Gericht: Leitão da Bairrada. Ein ganzes Ferkel, gefüllt mit Knoblauch, schwarzem Pfeffer, Petersilie und Schweineschmalz, gart stundenlang im Holzofen, bis die Haut splittert wie Glas. Entlang der Straße zwischen Coimbra und Aveiro liegen dutzende Restaurants, die auf nichts anderes spezialisiert sind. Für viele Portugiesen im ganzen Land zählt ein Ausflug ohne diesen Stopp einfach nicht.
Zu diesem fetten, würzigen Gericht passt traditionell der Espumante bruto der Region. Das ist kein Zufall. Die Kohlensäure wäscht das Fett von der Zunge, die Säure regt sofort neuen Speichelfluss an, und beides zusammen macht Lust auf den nächsten Bissen, statt davon satt zu werden. Leitão und Espumante gelten in der Bairrada als das Paar schlechthin, fast wie Käse und Wein anderswo.
Wer es kräftiger mag, greift stattdessen zu einem jungen, unkomplizierten Baga-Rotwein. Zum gereiften Zehnjährigen dagegen nicht, dessen Tannin dem zarten Fleisch sonst die Show stehlen würde. Eine echte Rarität ist der rote Espumante aus reiner Baga, halb Rotwein, halb Schaumwein. Man findet ihn kaum anderswo. Beide Varianten haben genug Säure, um gegen die Fettigkeit von Schmalz und Kruste zu bestehen.
Ein Zertifizierungsverfahren soll den Namen Leitão da Bairrada eines Tages offiziell schützen, so wie es die Weine der Region längst sind. Abgeschlossen ist es bislang nicht. Das ändert nichts daran, wie die Sache in der Praxis funktioniert. Wer in Mealhada isst, bestellt automatisch dazu, was aus derselben Erde stammt. Weinregion und Küche sind hier, von den Kellern in Sangalhos bis zu den Hängen bei Cantanhede, ein und dieselbe Geschichte.