
Säure trifft Tannin
Verkosten
Junger Baga zeigt seine Herkunft schon in der Farbe. Sattes, fast violettes Rubinrot, dunkler als bei den meisten portugiesischen Rotweinen. Nach zehn, fünfzehn Jahren wird daraus ein gedeckter Ziegelton. Genau in dieser Phase zeigt sich, warum Kenner die Sorte mit Barolo vergleichen. Beide brauchen Geduld, bevor sie ihr eigentliches Gesicht zeigen.
In der Nase dominieren zunächst dunkle Waldbeeren, oft mit einer erdigen, fast wilden Note darunter. Nach einigen Jahren im Keller kommen Leder, getrocknete Pflaumen und ein Hauch Tabak dazu, manchmal auch etwas Rauchiges. Wer das erste Mal daran riecht, denkt selten sofort an Wein aus Portugal, die Aromatik erinnert eher an nordfranzösische oder piemontesische Rotweine.
Im Mund ist Baga eine Übung in Kontrasten. Die Säure treibt einem sofort das Wasser im Mund zusammen, seitlich an der Zunge, während das Tannin gleichzeitig als trockenes, fast staubiges Gefühl über das Zahnfleisch zieht. Beides zusammen macht den Wein streng, wenn er jung ist. Genau diese Struktur trägt ihn zwanzig, dreißig Jahre, vorausgesetzt, genug Frucht steckt dahinter, um das Gerüst zu füllen.
Die weißen Bairrada-Weine aus Bical oder Maria Gomes verkostet man anders: heller, mit Zitrus- und Steinobstaromen, aber ebenfalls mit auffallend viel Säure, ein Familienzug der ganzen Region. Beim Espumante schließlich zählt die Perlage: Fein und anhaltend soll sie sein, ein Zeichen für die lange Flaschenreife. Grobe, schnell verschwindende Bläschen dagegen deuten auf Abkürzungen im Keller hin. Wer einmal einen roten Espumante aus reiner Baga probiert hat, eine Rarität selbst hier, vergisst ihn nicht so schnell.