
Grenzsteine seit 1756
Region & Geschichte
Die Überlieferung datiert den Anfang auf das Jahr 1678. Zwei englische Kaufleute sollen im Kloster von Lamego, oberhalb des Flusses, einen Wein probiert haben, der süßer und kräftiger schmeckte als alles, was sie kannten — der Abt hatte während der Gärung Branntwein zugegeben. Ob die Geschichte in jedem Detail stimmt, weiß heute niemand mehr genau. Fest steht: 1703 senkte der Methuen-Vertrag zwischen England und Portugal den Zoll auf portugiesischen Wein auf ein Drittel dessen, was englische Händler für französischen zahlten. Von da an strömte Geld aus London ins Douro-Tal, und mit dem Geld kam ein Problem.
Zu viel Nachfrage bei zu wenig Kontrolle verdirbt jeden Markt. Händler streckten den Wein mit Holunderbeeren für mehr Farbe und mit billigem Traubenmost aus fremden Gegenden, und die Beschwerden aus London häuften sich. Sebastião José de Carvalho e Melo, der spätere Marquês de Pombal, gründete deshalb am 10. September 1756 die Companhia Geral da Agricultura das Vinhas do Alto Douro. Sie legte fest, welches Gebiet überhaupt Vinho do Porto liefern durfte. Sie setzte Preise fest und verbot das Panschen. Granitpfeiler, die marcos pombalinos, markierten die neue Grenze direkt im Gelände. Manche stehen heute noch an ihrem alten Platz.
Damit entstand die älteste geregelte und abgegrenzte Weinregion der Welt, gut hundertdreißig Jahre vor dem französischen Appellationssystem. Wer außerhalb der markierten Fläche pflanzte, durfte seinen Wein nicht als Douro-Wein verkaufen. Das galt ganz gleich, wie gut er schmeckte. Diese Idee war neu in Europa: Herkunft als Gütezeichen, nicht bloßer Rebsorten- oder Winzername. Bis heute misst die demarkierte Fläche rund zweihundertfünfzigtausend Hektar, verteilt auf vierzehn Landkreise entlang des Flusses.
Ein Jahrhundert später kam die Reblaus. Sie erreichte das Tal 1868 und legte binnen weniger Jahre einen großen Teil der Weinberge lahm; die Ernte fiel bis Mitte der Achtzigerjahre auf weniger als die Hälfte des früheren Stands. Joaquim Pinheiro de Azevedo Leite Pereira führte um 1890 amerikanische Unterlagsreben ein und pfropfte portugiesische Sorten darauf. Erst dann kam die Erholung in Gang. Viele Besitzer waren da bereits ruiniert. Wer heute durch die Berge wandert, findet zwischen den bewirtschafteten Terrassen immer wieder verlassene, überwucherte Mauerreste. Mortórios nennt man sie, stille Reste jener Jahre, die nie wieder bepflanzt wurden.
Der Staat übernahm die Kontrolle in mehreren Schritten. 1932 entstand die Casa do Douro als Interessenvertretung der Winzer, ein Jahr später das Instituto do Vinho do Porto, das über Echtheit und Qualität wachte. 2003 gingen beide Aufgaben im heutigen Instituto dos Vinhos do Douro e do Porto auf, kurz IVDP, das seither auch die stillen Douro-Weine ohne Fortifizierung mitreguliert. Am 14. Dezember 2001 erklärte die UNESCO das Alto Douro Vinhateiro, rund vierundzwanzigtausend Hektar Terrassen aus Schiefer, zum Weltkulturerbe — als Landschaft, die zweitausend Jahre Weinbau sichtbar gemacht hat.