
Marão gegen Atlantik
Klima
Stell dich auf den Pass des Marão, mit dem Rücken zum Meer, und du spürst sofort den Unterschied. Hinter dir liegt das feuchte, grüne Minho, vor dir eine Landschaft, die im Sommer aussieht wie verbrannt. Der Marão und, weiter östlich, der Montemuro fangen die feuchte Atlantikluft ab, bevor sie das Flusstal erreicht — deshalb ist der Douro trocken, obwohl das Meer nur eine gute Autostunde entfernt liegt.
Wie trocken, hängt vom Ort ab. In Fontes im Baixo Corgo, dem westlichsten und am wenigsten geschützten Teil, fallen im Jahr rund zwölfhundert Millimeter Regen. Im Cima Corgo, wo die meisten großen Port-Häuser ihre besten Lagen haben, sind es nur noch sechshundert bis achthundert. Ganz im Osten, bei Barca d'Alva an der spanischen Grenze, misst man in manchen Jahren kaum dreihundertachtzig Millimeter — der Douro Superior ist damit die trockenste der drei Unterzonen.
Im Sommer klettert das Thermometer im Douro Superior regelmäßig über vierzig Grad. Der Winter dort fällt hart und kalt aus. Die Jahresmitteltemperatur der ganzen Region schwankt trotzdem nur zwischen 11,8 und 16,5 Grad. Die kalten Monate drücken eben den Schnitt. Diese Spannbreite zwischen glühendem Tag und kühler Nacht hält die Säure in der Beere fest, obwohl die Reife weit vorangetrieben wird. Ohne sie schmeckten die Weine flach und müde.
Der Schiefer selbst verstärkt den Effekt. Tagsüber speichert das dunkle Gestein Wärme, nachts gibt es sie langsam wieder ab. Die Rebe bekommt dadurch länger Wärme, als die Lufttemperatur allein liefern würde. Genau das macht auch die kühleren Lagen des Baixo Corgo noch warm genug für reife Trauben. In den trockensten Jahren im Douro Superior kippt derselbe Vorteil ins Gegenteil. Ohne Bewässerung verdursten junge Reben, und selbst alte kämpfen.
Diese Härte ist kein Zufall, sondern der Grund, warum hier überhaupt so kräftiger Wein entsteht. Wenig Wasser und viel Sonne zwingen die Rebe zu kleinen, dickschaligen Beeren mit viel Farbe und Tannin. Genau das ist der Stoff, aus dem sich ein Wein macht, der Fortifizierung und jahrzehntelange Fassreife überhaupt erst verträgt.